Labels

Donnerstag, 20. September 2012

Die christliche Mission unter Anfrage



Die christliche Mission unter Anfrage
Die christliche Mission war von Beginn ein schier unmögliches Unterfangen. Elf verängstigte Männer bekamen nach dem Tod ihres spirituellen Leiters den Auftrag die ganze Welt, jede Nation, in jeder Sprache Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen. Eigentlich ein Absurd und doch ist es geschehen. Heute nennen sich über 2 Milliarden Menschen Christen. Dennoch ist die Missionsarbeit nicht einfacher geworden. Sie wird von vielen Seiten in Frage gestellt.
Was bedeutet heute christliche Mission?  Wenn nun 2000 Jahre Missionsgeschichte betrachte und mit dem nur fünfzigjährigen weltweiten Siegeszug von Coca-Cola vergleiche, dann frage ich mich ob Mission nicht auch eine nicht realisierbare Utopie ist? Was ist eigentlich christliche Mission und was sollen sie eigentlich tun?
Durch die öffentlichen Medien wir die Mission stark hinterfragt.(1) Die Morde an den jungen deutschen Frauen Rita Stumpp (26), Anita Gruenwald (24) und der Südkoreanerin, Eom Young-sun (33) in Jemen wurden nicht verurteilt, sondern die Tätigkeit der Frauen. Während die Tat für die koreanische Regierung und ihrem Außenamtssprecher Choe Jong Hyun ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, erklären die deutschen Medien die Präsenz der Missionare im Jemen zu einem Verbrechen.(2) Dabei ist Jemen das Armenhaus im Nahen Osten. Welt Online beschreibt die Situation wie folgt:
Fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre, lediglich vier Prozent 65 Jahre und älter. Knapp 40 Prozent können lesen und schreiben, fast alle bekennen sich zum Islam. Ein Krummdolch im Gürtel wird schon von Zehnjährigen als Zeichen der Manneswürde getragen. Wer es sich leisten kann, hängt sich ein Gewehr über die Schulter.(3)

Laut GTZ leben 42 Prozent der Bevölkerung des Jemens unter der Armutsgrenze und 18 Prozent in absoluter Armut. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Ursachen sind der Bevölkerungswachstum von drei Prozent und extreme Wasserknappheit. Das leistungsschwaches Bildungssystem benachteiligt besonders bei Frauen. Das führt bei ihnen zu einer hohe Analphabetenrate. Sie haben auch keinen genügenden Zugang zu Gesundheitsdienste.(4) So kommt es zu folgenden menschlichen Katastrophen wie uns die Zeitung am 8. September 2009 berichtet:
Im Jemen hat ein Vater aus Geldnot seine zehn Töchter und sich selbst verbrannt. Die Ehefrau sagte, ihr Mann habe, bevor er starb, noch einen Satz zu ihr gesagt: "Ich habe mich und die Mädchen angezündet, damit ihnen das Leben nicht übel mitspielt." Der Mann arbeitete für die Verwaltung der südlichen Hafenstadt Aden, wo er nur 20 000 Rial (rund 70 Euro, das macht ca. 20 Eurocent pro Person pro Tag) pro Monat verdient habe.(5)

In den letzten Jahren wurde die Krise in der Mission innerhalb der Kirche spürbar. Titel wie „Mission im Kreuzfeuer(6)“, „What is Mission(7)“, „Transforming Mission(8)“, „Was heißt heute Mission“(9), „Krise und Neuaufbruch der Weltmission“(10), „Umkämpfte Weltmission“(11), um nur einige zu nennen,  machen dieses deutlich. Die Frage nach dem Wesen und dem Auftrag der christlichen Mission ist eine theologische und soziologische Anfrage.
Auf dem TEMA–Weltmissionskongress 2003/2004 in Bad Salzuflen erklärte George Kovoor in einem Hauptreferat vor Missionsgesellschaften und missionsinteressierten Jugendlichen: „Ihr die ihr in Europa versucht in die Welt zu gehen um zu missionieren, seid wie die Ratten die das sinkende Schiff verlassen. Bleibt  zu Hause!“(12) Der Phlippiono Nacpil schrieb: Den größten Missionsdienst, den ein Missionar in der jetzigen Situation in Asien tun kann ist nach Hause zu gehen.(13) Marcus, ein brasilianischer christlicher Leiter drückt es so aus: Klar brauchen wir Missionare in Brasilien: Auf dem Flughafen, im Wartesaal für Abflüge.(14)
Die Krise der Mission stellt auch immer den Missionar als Person in Frage. Für diesen sind Antworten von existentieller Bedeutung. Im Einsatzland unerwünscht und im Heimatland in den Medien zerrissen und in der Gemeinde in Frage gestellt, badet der Missionar das Dilemma einer nicht geklärten Fragen mit seinem Leben und dem seiner Familie aus. Missionen und Kirchen müssen sich auf Grund dieser Annfragen die Frage gefallen lassen, ob sie nicht alle Missionare zurückrufen und den Missionsdienst einstellen sollten
Laut Georg Vicedom kann es aber Gemeinde Jesu ohne Mission nicht geben. Er fordert uns mit der Aussage heraus: Die Kirche (ekklhsia) hat also nicht zu entscheiden ob sie Mission treiben will, sondern ob sie Kirche sein will.(15) Hans Kasdorf behauptet: Wenn eine Gemeinde aufhört zu senden, hört sie auf Gemeinde zu sein.(16) Wenn die fehlende Beteiligung in der Weltmission und bei Sendung  von Missionaren eine christliche Gemeinschaft als Gemeinde Jesu desklassifiziert, dann ist die Gemeinde, die sich der Fragen der Weltmission nicht stellt, selber in einer tiefen Krise. Somit ist jede christliche Kirche und Gemeinde in diesem Spannungsfeld herausgefordert. Jeder Pastor, jede Gemeinschaft von Christen ist gefragt, sich dem Thema der Weltmission zu stellen.
Wenn Mission Priorität unter den Aufgaben der Gemeinde ist, oder wie Vicedom es sagt, Wesen der Gemeinde ist, dann liegt die Verantwortung für Weltmission bei der Gemeindeleitung. Die Gemeinden werden in der Regel von theologisch ausgebildeten Personen geleitet. Deshalb fordert der brasilianische Missiologe Edson Queiroz:
Wir brauchen eine radikale Änderung der theologischen Unterweisung. Wenn Mission Wesen und die Existenzberechtigung der Gemeinde ist, dann ist es unumgänglich, das jedes Seminar, jede theologische Ausbildungsstätte einen Lehrstuhl für Mission hat. Mission ist also ein grundlegendes, obligatorische Fach und als Priorität für die gesamte theologische Unterweisung zu werten.(17)

Die Ausbildung von Pastoren hat laut Queiroz direkt mit der Erfüllung des Missionsauftrags zu tun. Der Pastors ist der Multiplikators der Überzeugungsgrundsätze in der Gemeinde. Ein jeder Pastor, ein jeder Ältester, ein jedes Mitglied einer Gemeindeleitung muss seine eigene Stellung zur Weltmission finden. Wenn aber Mission Sache der Gemeinde ist, was soll dann die Missionsgesellschaft? Die Existenzberechtigung dieser Vereine ist in Frage gestellt. In seinem Rechenschaftsbericht zum Jahr 2003 warf der Vorsitzende der AEM, Fritz Schuller, diese Frage auf.(18)Die AfeM – Tagung 2004 wird diesem Thema gewidmet sein.
Was hat aber der einzelne Glaubende mit Mission zu tun? Norman Goodall behauptet: Es gibt keine Beteiligung in Christus ohne Beteiligung in der Weltmission.(19)Heinz Müller erklärte: Es ist unmöglich das Heil in Christus erfahren zu haben, ohne an der Errettung der Welt teil zu haben.(20)



1 Z.B.  ZDF-Sendung „Frontal 21, Sterben für Jesus, vom 4. August 2009, oder ARD  Panorama, Sterben für Gott, vom 08. Oktober 2009
2 Spiegel Online vom 16.6.2009, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,630637,00.html
4 Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Eschborn, vom 5.11.2009,  http://www.gtz.de/de/weltweit/maghreb-naher-osten/674.htm
5 oberpfalz netz.de, http://www.oberpfalznetz.de/demobeilagen/1991876-456,1,0.html, (dpa)  |  08.09.2009  | Netzcode: 1991876
6 Müller, Klaus W. Hrsg., Mission im Kreuzfeuer – Referate zur Jahrestagung 200 des AfeM (VTR, Nürnberg, 2001)
7 Kirk, J. Andrew, What is Mission – Theological Exploration (Darton, Longman and Todd Ltd, London:1999)
8 Bosch, David J., Transforming Mission – Paradigm Shift in Theology of Mission, (Orbis Books, Maryknoll, New York 1991)
9 Bockmühl, Klaus, Was heisst heute Mission – Entscheidungsfragen der neueren Missionstheologie (Brunnen Verlag, Giessen – Basel: 2000)
10 Beyerhaus, Peter, Krise und Neuaufbruch der Weltmission – Vorträge, Aufsätze und dokumente Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell:1987)
11 Arthur Jonston, Umkämpfte Weltmission (Hänssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart:1984)
12 George Kovoor, Direktor der Gesellschaft für Missionsausbildung der Kirche, Großbritannien, beim Vortrag zum Thema Glaube unter Druck, Bad Salzuflen, 29.12.2003
13 Nacpil, Mission but not Missionaries, international Review of Mission (vol 60,1971)360 zitiert bei Kirk, J. Andrew, What is Mission – Theological Exploration (Darton, Longman and Todd Ltd, London:1999) 186
14
15 Vicedom, Georg F., Mission Dei – Einführung in eine Theologie der Mission (Kaiser Verlag, München: 1958)13
16 Kasdorf, Hans, Mission und theologische Ausbildung in evangelikale missiologie em 2/96 (afem und FHM Korntal 2/1996)41
17 Edson Queiroz, A igreja local e missões (Edições Vida Nova, São Paulo:1987)59
18 Fritz Schuller, Vorsitzender der deutschen AEM, auf der Jahrestagung der AEM Februar 2004 in Rehe
19 Norman Goodall, Mission under the cross (1953)190 zitiert bei Vicedom, Georg F., Mission Dei – Einführung in eine Theologie der Mission (Kaiser Verlag, München: 1958)13
20 Heinz Müller, Missionsleiter der Allianz-Mission von 1982 bis 2000, auf einer Tagung der CIELB im November 1999 in Toledo/PR, Brasilien

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen