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Samstag, 22. September 2012

Christus - Evangelium für unsere Welt !?



"Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben."
Albert Einstein
Die Probleme dieser Welt sind groß und sie sind sehr komplex. Eine Krise jagt die andere und eine Katastrophe folgt der anderen. Die politische Machthaber stehen hilflos daneben. Sie haben, wie die Wahlbeteiligung zeigt, das Vertrauen in breiten Teilen der Bevölkerung verloren. Die Finanziers werden von der Presse als rücksichtslose Nutznießer der Misere der Massen angesehen.(1) Der einzelne Mensch fühlt sich darin ohnmächtig dem Geschehen der Zeit ausgeliefert. Er ist auf Grund der fehlenden Perspektiven hoffnungslos. Die Angst ist für viele Menschen das Grundlebensgefühl.
Überall werden Lösungen gesucht, aber es scheint, dass es keine gibt. Utopien wie der Kommunismus sind gescheitert. Der „Kreuzzug gegen das Böse“ eines George W. Bush hat die Welt um keinen Deut glücklicher gemacht. Spätestens nach der Finanzkrise ist allen klar, dass aus der Raffsucht der Finanzmächtigen kein Paradies erwächst. Der brutale unkontrollierte Kapitalismus, welcher nur das Recht des Mächtigen kennt, hat als direkte Folge großes Leid verursacht. In Deutschland wird im Abbau des Sozialstaates deutlich, dass die soziale Markwirtschaft politisch nicht mehr gewollt ist. Die Probleme sind weltweit und irgendwie ist jeder einzelne der 7 Milliarden Menschen ein Betroffener.
Da hinein behauptet die christliche Kirche, dass das Evangelium der Christen frohe Botschaft für die Völker ist. Was ist nun eine „Frohe Botschaft“ für den Menschen im Irak? Was ist Frohe Botschaft für die an Aids sterbende Frau in Soweto oder was bedeutet Evangelium für das Straßenkind in Rio de Janeiro? Daraus ergibt sich eine tiefe grundsätzliche Frage, die mich und viele andere umtreibt: Gibt es überhaupt ein Evangelium, eine frohe Botschaft, für diese verzweifelt, an sich selbst zu Grunde gehende Menschheit?
Unsere heutige Welt ist in vielen Punkten das Resultat einer aus der westlichen Philosophie hervorgegangnen gewollten Gestaltung des menschlichen Daseins. Dabei hat die christliche Religion einen großen Einfluss gehabt. Die weltweiten Wirtschaftsprinzipien gehen auf den im christlichen Abendland entstandenen Liberalismus zurück. Der Homo oeconomicus(2), welcher eigeninteressiert und rational handelt und alles zum seinen eigenen Nutzen maximiert ist das direkte Produkt westlicher und damit christlicher Wirtschaftstheorien.
Dieser propagierte Wirtschaftsegoismus steht jedoch im Gegensatz zu der sich hingebenden und opferbereiten Jesusnachfolge. Eine christliche Theologie kann an dieser Kontroverse nicht vorbeigehen. Es ist erstaunlich, dass es in vielen christlichen, besonders auch evangelikalen Bewegungen, nicht darum geht, Heil für die Welt zu verbreiten, sondern das Privileg einer Elitären Minderheit zu wahren. Sie verstehen sich als die aus der Welt Herausgerufenen, die Ekklesia, die Elite, welche den Himmel für sich garantiert hat. Die missionarische Tätigkeit konzentriert sich darauf, Einzelne zu dieser Elite zu rufen. Dabei wird völlig übersehen, dass das griechische Wort Ekklesia (gr. ἐκκλησία), welches mit Gemeinde übersetzt wurde, im Lebenskontext von Jesus und den Aposteln eindeutig eine politische Bedeutung hatte. Die Ekklesia war für das Gemeinwohl der Polis, der Menschengemeinschaft, verantwortlich.
Das apostolische Glaubenbekenntnis, welches den Glauben an einen einzigen, dreieinigen Gott deklariert, trennt diesen Gott nicht in einen privaten und politischen oder wirtschaftlichen Gott auf. Das Bekenntnis zum christlichen Monotheismus, ist deshalb gleichzeitlich das Bekenntnis zu einem holistischen, ganzheitlichen Gott. Deswegen kann es kein christliches Evangelium geben, welches die politischen und wirtschaftlichen Aspekte der menschlichen Lebensgestaltung ausklammert. Ebenso ist ein lokal begrenztes oder national fokussiertes Evangelium ein falsches Evangelium. Solange Gott diese Welt (gr. kosmon)   liebt (Joh 3,16), ist eine Evangelisation, welche nicht die Welt und damit die gesamte Menschheit, im Blick hat, schlicht und einfach unbiblisch.
Der Apostel Johannes stellte die steile Behauptung auf, dass derjenige, der nicht liebt, Gott nicht kennt. Wenn ich mich umschaue, dann kann ich in unserer Welt viel Lieblosigkeit entdecken. Menschen, die Menschen lieben sind wir Oasen in der Wüste. Es gibt sie nur zu wenig. In den christlichen Gemeinschaften sind die Menschen der „Welt“ nicht willkommen. Die zentrale Aussage des Evangeliums von Christus ist, nach der Formulierung des Apostels Johannes, dass Gott diese Welt und die Menschen liebt (Joh.3, 16).
Jesus selbst behauptete, dass die oberste Bestimmung des menschlichen Daseins, das höchste und allumfassende Gebot, die Liebe ist. Dieses Gebot ist damit die Zusammenfassung der gesamten biblischen Botschaft (Math22,36-40). Das Kennzeichen der Gemeinde Jesu Christi ist nach den Aussagen ihres Gründers die Liebe (Joh13,35). Dabei ist jedoch nicht eine Liebe nach willkürlichen Maßstäben gemeint, sondern sie ist durch das Vorbild und dem Wesen der Person Jesu von Nazareth, dem Gründer der christlichen Kirche, selber definiert. Sein Leben, seine Art mit Menschen umzugehen, seine Opferbereitschaft und Hingabe, wird somit normativ für die Qualität von Liebe. Das gilt auch für Leiter und Manager der christlichen Institutionen, Werke und Einrichtungen. Praktiziert ein christlicher Leiter Bossing oder Mobbing, so handelt er  gegen Christus, das heißt antichristlich.
Eine christliche Theologie, die sich nicht an Christus orientiert und so die Theorie und Praxis der Liebe verbindet, ist ein Affront gegen den Heiland selber. Gemeindeleben, Gemeindeleitung und Kirchenpolitik hat sich an Ihm auszurichten, wenn sie nicht antichristlich sein will. Dieses geht nicht, wenn die Leitungspersonen sich nicht auf Menschen einlassen, ihnen nicht nahe kommen. Anonymes Kirchenmanagement vom Schreibtisch durch unpersönliche E-mails hat gar nichts mit Christusnachfolge zu tun. Wer Menschen nicht liebt, dass heißt ihnen nicht von Mensch zu Mensch begegnet, mit ihnen redet, ist durch den zentralen Anspruch Christi als normatives Modell christlicher Leiterschaft, für Führungspositionen in der Kirche Jesus Christi disqualifiziert. Dennoch sitzen distanzierte Manager, denen der einzelne Mitarbeiter egal ist, in den Vorständen von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen.
Das Problem der Kirchen liegt nicht bei den Menschen, die Sonntag in der Kirche sitzen. Es sind die leeren Sitzplätze. Wenn es in Organisationen stinkt, dann ist es wie bei Fischen, sie stinken immer vom Kopf her. Festzustellen ist, dass es in den Kirchen gewaltig stinkt. Deswegen sind die Gotteshäuser auch leer.
Nun kann die Ursache im Haupt der Kirche, der Gemeinde, in Jesus Christus selbst liegen. Wenn das so ist, gibt es kein christliches Evangelium. Vielleicht ist es aber auch in der Tatsache begründet, dass man ihn bereits hinauskomplimentiert hat. Vielleicht steht er, wie in der Gemeinde zu Laodicea, bereits zu lange vor der Tür? Eine Kirche, bei der dieses der Fall ist, hat das Recht verloren, sich Kirche zu nennen. Kirchenfürsten und Gemeindeleiter, die nicht die „Dienende Leiterschaft“ nach dem Modell des Füße waschenden Christus praktizieren sind antichristlich.
Solange die Kirchen an den Denkmustern, welche in die Ausbeutung der Menschen geführt hat, festhalten, werden sie keine Antwort für die verzweifelte Menschheit haben. Reiche werden immer reicher – Arme immer ärmer. Das gilt für Innerdeutschland (die reichsten 10% der Haushalte besitzen 53% des Privatvermögens)(3) oder für die einzelnen Länder. Es ist die christlich-westliche Denke, welche die Grundlagen dieser Ungerechtigkeit ist. Wenn wir aber dagegen  radikal Jesus nachfolgen, dann stellen wir uns gegen die üblichen, anerkannten und erfolgreichen Wirtschaftsysteme. Wie sagt Shane Claiborne: „Ich muss verrückt sein, so zu leben!“(4)
Die Welt in der wir leben, ist eine Welt voller Probleme! Aber wie sagte Albert Einstein: "Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu gerade diesen Problemen geführt haben."



1 Pressemitteilung der CGC Consulting GmbH einer Untersuchung zur Finanzkrise vom 27.2.2009. http://www.openpr.de/news/286494 Unternehmen fordern vernünftige Politik und kein Kurieren an Symptomen - Wertebewußtsein notwendiger denn je Zugriff 10.7.2010
2 bedeutet Wirtschaftsmensch
3 http://www.focus.de/schlagwoerter/themen/a/armutsbericht/ (20.9.2012)
4 Shane Claiborne, Ich muss verrückt sein so zu leben – Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe, Brunnenverlag, Basel / Giessen; 2007

1 Kommentar:

  1. Das Problem ist das das Evangelium verdreht wurde.
    Viele Christen müssen zurück zu den Wurzeln, sonst sterben sie ab. In den alten Bibelfilmen kann man die gute Botschaft noch klar erkennen.

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