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Mittwoch, 31. Juli 2013

Themenwoche Mobbing bei ERF Online

Mobbing: Ich finde es gut, dass ERF - online zum Thema eine Serie von Artikeln bringt. Ich hoffe, dass christliche Leitungsgremien endlich anfangen Mobbing ernst zu nehmen!

So sagt Dietmar Deibele: "Wie kann sich in einer christlichen Gemeinschaft Redlichkeit durchsetzen, wenn von den zuständigen Aufsichtsgremien Hinweisen auf Unredlichkeit nicht nachgegangen wird, Unredlichkeit somit nicht aufgedeckt wird und die Täter keine Konsequenzen erfahren?"
Hier geht es zu den Artikeln: 

Mobbing kein Kinderspiel

Mobbing bei uns doch nicht 

Ich hielt zwei Jahre durch 

So werden sie garantiert ein Mobbingopfer - eine Parodie 



Mittwoch, 12. September 2012

Burnout - Das Gefühl von Ohnmacht - Mobbing und Bossing


Ein Symptom des Burnouts ist ein Gefühl von Ohnmacht, Ausgeliefertsein und Resignation.(1) Jeder Burnoutpatient erlebt seine Situation als eine gefühlte Ohnmacht. Er sieht sich den Gegebenheiten ausgeliefert. Das Burnout-Syndrom lässt sich als existenzielle Verzweiflung beschreiben. Das Gefühl von Ohnmacht ist mit einer generellen Hoffnungslosigkeit gepaart. Das Leben scheint sinnlos, Suizidgedanken kommen und werden zum Teil auch umgesetzt.(2) Das Empfinden von Hilflosigkeit gegenüber der Situation ist eine Frage der Macht. Es gibt keine Ohnmacht, ohne eine Macht, die ohnmächtig macht.
Im Zentrum von Sao Paulo leben um die 5000 Kinder auf der Strasse. Egal ob die Behörden oder Hilfsorganisationen immer wieder die Kids von der Strasse holen. Es gelingt nicht die Zahl zu reduzieren. Die gesellschaftliche Misere ist der Grund dazu. In anbetracht dieser Realität empfindet der Mitarbeiter eine Ohnmacht gegenüber den Gegebenheiten. Der engagierte Mitarbeiter einer NGO erlebt die Kids der verzweifelten Situation ausgeliefert. Sein Einsatz erscheint ihm hoffnungslos. Ohne die Lösung der gesellschaftlichen Gegebenheiten ist keine Veränderung möglich. Solche Situationen führen leicht zum Burnout. Macht wird von irgendjemand ausgeübt. Es gibt immer Verantwortliche, welche an den Zuständen Gewinne machen.
Schwieriger ist es jedoch, wenn die Macht, die Ohnmacht verursacht eine Person ist. Ein Vorgesetzter, der seine Mitarbeiter nicht bevollmächtigt, macht sie ohnmächtig. Macht führt nicht automatisch zur Ohnmacht. Gefühlte Ohnmacht gegenüber einem Vorgesetzten hat in der Regel mit Machtmissbrauch zu tun. An jedem zweiten Mobbingfall ist der Chef beteiligt. Für Opfer von "Bossing" sind die Folgen schwerwiegend. Wer vom Chef gemobbt wird, hat nichts zu lachen. Das Bossing (Mobbing von oben) ist deshalb schlimm, weil der Betroffene meist keine Chance hat, der Zwickmühle zu entkommen.(3) Das Burnout  ist die logische Konsequenz.
Bossing geschieht oft mit Androhungen und Schikanen. Typisch ist die Verweigerung von Informationen. Das Mittel der Kontrolle beim Bossing ist die Angst. Empfindet der Untergebene Angst, ist er manipulierbar. Beim Bossing muss man davon ausgehen, dass der Vorgesetzte ein Persönlichkeitsproblem hat. Die "bossenden" Chefs fühlten sich von starken Mitarbeitern bedroht. Die eigenen Interessen der Führunskräfte stehen im Vordergrund.(4)
Da es dem „bossenden“ Vorgesetzten um seine persönlichen Interessen geht und nur darum, ist ihm das Wohl des Unternehmens egal. Es geht ihm nur darum sich selber zu promoten. Er baut seine Machtposition weiter aus und eliminiert alle, die ihm dabei im Wege sein könnten. Die Betriebe „bossenden“ Vorgesetzten besitzen spitzenorientierte Machtstrukturen. Es wird keine menschenoriente Führung praktiziert und es mangelt an Teamkommunikation. Zahlreiche Bossing-Opfer sind kreativ und fleissig und werden ohne Selbstverschulden plötzlich zu Sündenböcken und Blitzableitern für die Frustration des Chefs.(5)
Der Frankfurter Arbeitspsychologe und Mobbing-Forscher Dieter Zapf stellt fest: Wenn in einem Unternehmen systematisch gemobbt wird, zeugt das von schlechtem Management.(6) Ein Unternehmen stinkt wie beim Fisch, vom Kopf her. So nehmen die Vorgesetzten einen unrühmlichen Spitzenplatz in Sachen Mobbing ein: Fast 40 % aller Fälle von Mobbing gehen ausschließlich auf ihr Konto. Weitere 10% der Vorgesetzten verlassen sich nicht nur auf die eigenen Mobbingqualitäten, sondern verbunden sich mit den Kollegen des aus - geguckten Opfers.(7)
Geschieht in einem Unternehmen Mobbing, muss der Arbeitgeber handeln.(8) Nach dem Arbeitsrecht muss ein Arbeitgeber auf eine Beschwerde wegen Mobbings reagieren. Sonst machen Sie sich wegen verletzter Fürsorgepflicht strafbar.(9) Das Mobbingopfer hat Anspruch auf Schadensersatz, beispielsweise für Arztkosten, Verdienstausfall, sowie einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Wird die Geschäftsführung über Mobbingvorfälle informiert, ist diese zum Handeln verpflichtet. Handelt dieses nicht, so ist das Unternehmen für die Folgen voll verantwortlich. Kommt es bei Bossing zu einem Burnout und dem Unternehmen ist die Verletzung der Fürsorgepflicht nachzuweisen, dann kann das Unternehmen auf Grund des Arbeitsschutzgesetzes wegen grober Fahrlässigkeit angeklagt werden.(10) Mobbing und Bossing ist eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts, welches im Grundgesetz jedem Menschen garantiert wird.(11) Kommt es bei einem Mobbing- oder Bossingopfer zu einem Suizid, könnte eine Klage wegen Körperverletzung mit Todesfolge dazu kommen.
Bossing ist häufig in Hilfsorganisationen zu finden. Besonders in idealistisch ausgerichteten Organisationen und in Kirchen ist Bossing häufig. Burnout bei bei Pastoren hat häufig mit Mobbing zu tun. Eine systematische Stimmungsmache gegen einen Geistlichen, beginnt oft  bei den Kirchenvorständen. Wenn es zu Konflikten mit einem Pastor kommt, ist es nicht einfach, diesen los zu werden. In verschiedenen Fällen wurde eine systematische Diskreditierung initiiert, welche die pastorale Arbeit unmöglich machte. Diese Art von Mobbing ist nur schwer zu bekämpfen. Die übergeordneten Vorstände und Leitungen sind oft blind dafür: „Was es nicht geben darf, gibt es nicht.“ Deswegen werden Mobbingvorwürfe totgeschwiegen und Mitarbeiter versetzt oder wegen fehlender emotionaler Belastbarkeit ausgemerzt.Alle hoffen, das der betreffende sich nicht wehrt.
Ohnmacht ist ein Gefühl, welches ein Burnout begleitet. Das Gefühl des hilflosen Ausgeliefertseins lässt den Burnoutpatienten eine tiefe Frustration empfinden. Verzweiflung wird zum bestimmenden Lebensgefühl. Zorn und Wut gegen die ihn dominierende Macht entwickelt sich. Durch das Gefühl von Ohnmacht entsteht eine Hilflosigkeit, welche die Wut nicht gegen die despotische Macht richtet, sondern gegen sich selbst. Selbstzweifel, Selbstanklagen führen zu einem Verlust der Selbstachtung. Depressionen sind die logische Konsequenz. Dabei liegt bei dem Burnoutpatienten keineswegs eine emotionale Energielosigkeit vor. Diese ist nur nicht nach außen gerichtet, sondern gegen sich selbst und wirkt somit selbstzerstörend. Der Suizid wird so zum einzigsten Ausweg aus dem Dilemma.


(6) http://www.zeit.de/karriere/beruf/2010-03/mobbing-bossing-chef (10.9.2012) 
(7) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Wenn aus Kollegen Feinde werden …Der Ratgeber zum Umgang mit Mobbing, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, 2010
(8) Arbeitsschutzgesetz vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246), § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers (1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.
(10) BAG Urteil vom 27.11.1985 – 5 AZR 101/84 – AP BGB § 611 Fürsorgepflicht Nr. 93, BAG AP Nr. 5 zu § 611 BGB Persönlichkeitsrecht, BAG AP BGB § 611 Fürsorgepflicht Nr. 83 BGB § 611 Fürsorgepflicht BAG BB 1977, 1401; BAG 7, 267 [271, 272] = AP Nr. 6 zu § 611 BGB Fürsorgepflicht; BAG AP Nr. 78 zu § 611 BGB Fürsorgepflicht
(11) Bundesrepublik Deutschland: Ausfertigungsdatum: 23.05.1949; I. Die Grundrechte - Art 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht. - Art 2 (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Indiese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Freitag, 7. September 2012

Burnout - Motivationskrise



 Burnout - Motivationskrise
Warum tue ich was ich tue?
Im Gespräch mit Burnoutpatienten kann man immer einen Verlust der Arbeitsmotivation feststellen. Viele meinen, dass der Verlust der Motivation eine Folge eines Burnouts ist. Durch viele Gespräche habe ich festgestellt, dass der Verlust der Motivation bereits zu Beginn eines Burnoutprozesses besteht. Die Frage „Warum tue ich, was ich tue?“ oder „Warum tue ich mir das an?“ steht am Anfang. Der Zweifel an der Motivation, an dem Sinn der aktuellen Lebensführung löst eine Sinnkrise aus. J. Huß fragt in einem Song: Kannst Du leben ohne Freude, wenn Du keinen Sinn mehr siehst? Und stellt dann fest: Ich kann’s nicht!(1) Die Sinnkrise ist ein Auslöser des Burnouts. Sie verschärft sich jedoch während des Prozesses.
Hinter jeder Anstrengung steht ein Motiv, eine Ansicht etwas zu erreichen, ein Ziel. Dieses Motiv, ist der Grund, dieses Ziel auch erreichen zu wollen. Ohne Motiv existiert keine Motivation. Aus dem Motiv erwächst die eigentliche Motivation: Diese ist die Energie, der Antrieb das Ziel zu erreichen. So sind beispielsweise Neugierde und Interesse, Belohnung und Gruppendruck häufige Motive für Anstrengungen. Neugier und Interesse, aber auch Ideale kommen aus einem selbst. Das Motiv wird nicht von außen erzeugt. Dies wird als intrinsische Motivation bezeichnet.  Anders verhält es sich mit Gruppendruck oder Belohnungen. Dadurch wird Motivation von außen erzeugt. Es handelt sich um extrinsische Motivation.
Alles menschliche Handeln ist motiviert. Es hat sich erwiesen, dass intrinsische Motivation tragfähiger und dauerhafter ist als extrinsische. Man muss also versuchen, sich selbst - von innen heraus - so effektiv wie möglich zu motivieren, um leistungsfähig zu sein. Erste Voraussetzung dafür ist, dass man einen Sinn in seinem Tun erkennt, beispielsweise den Zusammenhang zum Beruf. Sollte der Sinn von einer Tätigkeit einmal nicht ersichtlich sein, ist das demotivierend. Einer Handlung geht selten ein einzelnes Motiv, sondern meist ein Motivbündel voraus, das, zum Teil gebildet aus Gewöhnungen, fixierten Einstellungen und Werthaltungen, in affektiver, emotionaler oder intellektueller Richtung das Verhalten eines Individuums bestimmt.(2) Motivation hat somit nicht nur einen Faktor, sondern mehrere. Die Motivation für die Anstrengung entscheidet über die Ressourcen, welche die Person hat und durch die Leistung verbraucht. Herausforderungen werden je nach Motivation zu positiven oder negativen Stress.
Die amerikanischen Psychologen Lyman W. Porter und Edward E. Lawler entwickelten 1968 eine Motivationstheorie, die sich die besonderen Gegebenheiten in industriellen Organisationen konzentriert, indem sie eine Verbindung zwischen Arbeitsleistung und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter knüpft und deren individuelle Erfolgserwartungen stärker hervorhebt.(3) Ein leistungsmotiviertes Handeln findet dann statt, wenn die Tendenz "Hoffnung auf Erfolg" die Tendenz "Furcht durch Mißerfolg" überwiegt.(4)
Atkinsons Risikowahlmodell splittet das Leistungsmotiv in eine negative Vermeidungskomponente und eine positive Annährungkomponente auf und verknüpft diese beiden Komponenten mit einer situationsabhängigen Erfolgserwartung in Formeln:
L = M x (1-W) x W

Unter Einbezug des Erfolgsmotivs und des Mißerfolgsmotivs:
L = Me x (1-W) x W - Mm x W x (1-W)

Zusammengefaßt:
L = (Me - Mm) x (W x (1-W))

Erklärung:         L = Stärke der Leistungsmotivation              
M = Leistungsmotiv          
W = subjektive Erfolgswahrscheinlichkeit
1-W = Risiko       
Me = Erfolgsmotiv            
Mm = Mißerfolgsmotiv    
1-W = Mißerfolgswahrscheinlichkeit

Ein Erfolg ist um so attraktiver und motivierender, je riskanter er ist. Das Leistungsmotivation steigt, je stärker das individuelle Erfolgsmotiv das Mißerfolgsmotiv übersteigt und je näher die Erfolgswahrscheinlichkeit am maximal motivierenden Wert 0,5 liegt. Erfolgsmotivierte sind höher motiviert bei Aufgaben mittlerer subjektiver Schwierigkeit, Mißerfolgsmotivierte bei sehr schweren und sehr leichten Aufgaben.(5)

Atkinsons Risikowahlmodell splittet das Leistungsmotiv in eine negative Vermeidungskomponente und eine positive Annährungkomponente auf. (6)
Nicht die viele Arbeit bewirkt den negativen Stress, sondern die sinnlose, die nicht Erfolg versprechende Arbeit. Ein engagierter Lehrer, der sich um den Lernerfolg seiner Schüler müht, welchen er aber dann nicht sieht, verliert leicht den Sinn für seine Arbeit. Nicht das geleistete ermüdet, sondern das nicht erreichte. Wenn der Lehrer sich innerlich von seinen Schülern distanziert, keine pädagogischen Ziele mehr verfolgt, also keine Motivation für seinen Beruf mehr hat, erlebt er für sich im Job eine Sinnkrise. Wenn das Engagement nicht die erhofften Resultate erbringt, ist das äußerst frustrierend.
Bei Sozialarbeiter und Pastoren ist die Problematik ähnlich gelagert. Wenn der erhoffte Zweck nicht erreicht wird, tritt häufig eine starke Deflation der Motivation ein. Durch geringeres Engagement (Auszeit), entfernt sich der idealistische Mensch weiter von seinen angestrebten Idealen und verliert somit die wesentlichen emotionalen Ressourcen für die Anstrengung. Er ist innerlich verbrannt: Burnout.
Motivationsverlust findet auch bei erfolgreichen Managern statt. Bei vielen Menschen liegt in dem finanziellen Vorteil der Sinn der Anstrengung. Deswegen arbeiten viele Menschen im mittleren und höheren Management zwischen 60-80 Stunden wöchentlich. Die Entwertung dieser Motivation wird in der John Lennon zugeschriebenen Aussage deutlich: „Wenn du soviel Geld hast, dass du dir alles kaufen kannst, was käuflich ist, dann bedeuten dir alle käuflichen Dinge nichts mehr.“ Geld ist als Motivation immer inflationär. Deshalb wählte der Beatlestar auch eine Lebensphilosophie: "Ich sorge mich nicht allzu viel um das Geld, Geld kann keine Liebe kaufen.(7) Es ging John um die Liebe. So verändert sich die Frage in dieser Situation aus dem „Warum tue ich das?“ Zu dem „Für wen tue ich es?“ Besitz und Sachwerte sind keine dauerhafte positive Motivation für den Menschen.



1 J. Huß, Kannst du leben ohne Freude, in Landesbischof D. Eduard Lohse, Sein Ruhm unsere Freude, (Walsrode, 1981)311
3  http://de.wikipedia.org/wiki/Motivation&imgurl=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/5/55/Weg_Ziel_Modell_der_Motivation.png/220px-Weg_Ziel_Modell_der_Motivation.png&w=220&h=152&ei=GGVEUNSSGIrotQbtioHADQ&zoom=1&iact=hc&vpx=118&vpy=210&dur=1009&hovh=121&hovw=176&tx=95&ty=80&sig=105936851200410688795&page=1&tbnh=100&tbnw=145&start=0&ndsp=18&ved=1t:429,r:0,s:0,i:142
7 “I don't care too much for money, money can't buy me love." http://www.bellaonline.com/articles/art14070.asp  (29. August 2012)

Dienstag, 4. September 2012

Ursachen für Burnout


Die angenommene Ursache von Burnout bestimmt den Umgang mit ihm. Deswegen ist die Ursachenforschung wichtig, um die Volkskrankheit Nr.1 zu bekämpfen. In den meisten Erklärungen über die Ursachen von Burnout wird gesagt, dass dieser Eintritt, wenn über einem längeren Zeitraum von einem Menschen mehr Energie verbraucht als zugeführt wird.(1) Ein Mangel an Energie kann durch die Zuführung von Energie ausgeglichen werden oder auf der anderen Seite die Energieverbrenner eliminiert werden. Diese Überlegungen bestimmen die meisten Behandlungs- und Prävensionsangebote bei Burnout.  So habe ich dass immer geglaubt und auch in Seminaren für Burnout-Prevention weitergegeben. Es ist auch viel daran.
Nur dann passierte es mir, dass ich selber an einem Tag zusammenbrach: Burnout. Im Erleben meiner persönlichen Katastrophe und der Begegnung mit dieser, entdeckte ich Komponenten, welche ich vorher nicht auf dem Bildschirm hatte. Wenn die Burnout-Problematik so einfach nur auf die Frage der Balance der Ressourcen und der Anforderungen reduziert werden kann, wäre die Lösung des Problems ja einfach. Unternehmen könnten Unmengen an Geld sparen, weil ihre besten Mitarbeiter, denn in der Regel sind es sie, die an Burnout zusammenbrechen, nicht ausfallen würden. Krankenkassen und Rentenversicherungen würden die Beiträge senken können, weil die teueren Behandlungen in den Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Kliniken nicht mehr gebraucht würden. Aber die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Sicher wäre es für die behandelnden Kliniken, Therapeuten, Berater usw. ein Verlust, aber ich denke, dieser wäre leicht zu verkraften.
Die Meinungen über die Ursachen für einen Burnout sind sehr unterschiedlich und widersprüchlich. Je nach Ansätzen beschreiben die Forscher verschiedene Ursachen als Grund für Burnout. Die Psychologen, welche dem Patienten auf die Beine helfen wollen, konzentrieren sich in der Ursachenforschung auf die emotionalen Aspekte des Burnouts. In der Behandlung können sie nicht das Umfeld der betroffenen Person behandeln, sondern nur diese selber. Also sind sie auf die Psyche der Person fokussiert.
Die Persönlichkeitsmerkmale bilden einen Faktor im Burnoutprozess, sind aber in der Regel nicht die Ursache. Burnout entsteht immer in einem realen Umfeld. Dadurch, dass der Arbeitsplatz in der Regel ein entscheidender Faktor im Leben des Patienten ist und Lebenssinn, Lebensqualität durch die dort verbrachte Lebenszeit (ca.30%) bestimmt wird,  ist der Arbeitsplatz der alles entscheidenden Faktor bei einem Burnout. Dieses wird in der psychotherapeutischen Behandlung, da diese nur bei dem Lebensstil und den Persönlichkeitsmerkmalen ansetzt, in der Regel ausgeklammert. Somit scheitert auch die Ursachendiagnose.
Wird trotzdem nun mal das Arbeitsumfeld in den Blick genommen, zeigt sich das als schwierig. Manfred Nelting stellt fest: Industrie und Gewerkschaften kommen in ihren Befragungen von Arbeitnehmern nach der Häufigkeit und den Gründen von Burnout sowie dem Erleben der Arbeitsplätze zu unterschiedlichen Ergebnissen.(2)
Helen Heinemann, Expertin für Stress, Erschöpfung und Burnout, Pädagogin mit einer psychotherapeutischen Ausbildung verfasste ein Buch mit dem Titel: Warum Burnout nicht vom Job kommt.(3) Darin zeigt sie 5 allgemeine Meinungen zu den Ursachen zum Burnout und damit auch zur Prävention der Erkrankung auf. Bevor sie sich wirklich mit den Menschen beschäftigte, hatte sie genau diese Gedanken über Menschen im Burnout. Sie nennt heute diese Meinungen Vorurteile:
1.      Vorurteil: Bessere Organisation verhindert den Burnout
2.      Vorurteil: Nur wer im Arbeitsleben steht bekommt Burnout
3.      Vorurteil: Stress, Zeitnot und ständige Erreichbarkeit sind schuld am Burnout
4.      Vorurteil: Nach einer Pause sind Burnoutpatienten wieder auf dem Damm
5.      Vorurteil: Männer sind Drückeberger - und damit auch schuld am Burnout (4)
In ihren Beobachtungen kommt sie zu dem Schluss, dass diese Vorurteile falsch sind. Hochorganisierte effektive Menschen erleiden Burnout und ebenso Menschen, die nicht unter dem Leistungsdruck des Jobs stehen, klappen zusammen. Stress, Zeitnot und ständige Erreichbarkeit führt nicht unbedingt zur Krise. Es sind nicht die schwachen, unorganisierten und nicht erfolgreichen Menschen, die durch Burnout scheitern. Oft sind es gerade die besten und effektivsten Mitarbeiter einer Organisation.
Heinemann schreibt: Auslöser für Burnout ist in der Fachwelt demnach die veränderte Arbeitswelt, immer stressiger werdende Jobs mit immer weiter steigenden Bedingungen. Ein anderer oft gehörter Ansatz beschäftigt sich mit den immer unrealistischer werdenden Zeitplänen, die das Berufsleben den Menschen aufzwingt. Zeitnot – Zeitmanagement! Diese Saat fällt bei Burnoutgefärdeten auf fruchtbaren Boden. Wenn diese Menschen etwas besser machen können, wollen sie das auch. Ausbrenner sind leistungsbereit und engagiert.(5)
Heinemann sieht die soziologische Ursache für die epedemische Ausbreitung von Burnout in der Genderkrise. Die gesellschaftliche Verunsicherung über die Rollen von Mann und Frau führen zur Verunsicherung und Bedrohung der Integrität der Menschen. Das zerreißt sie und so kommt es zum Zusammenbruch. Manfred Nelting stellt fest: Sie wissen nicht mehr, wo sie hingehören: Zu den Frauen? Zu den Männern? Zu welchen Männern? Zu welchen Frauen? Bournout-Patienten verbrennen innerlich, weil sie nicht mehr wissen, wofür sie brennen sollen.(6)
Es gibt auch andere Ansätze. Über neun Millionen Deutsche leiden unter Burn-out und nicht selten endet dieser Zustand tödlich.(7) Sind wir der Volkskrankheit hilflos ausgeliefert, wenn die üblichen Behandlungsmethoden wie Psychopharmaka oder Psychotherapie nicht greifen? Dr. Michael König ist überzeugt: Burn-out kann nur geheilt werden, wenn der dahinter steckende Energiemangel in den Körperzellen behandelt wird. Sein Behandlungskonzept setzt genau dort an, indem der Energiehaushalt mittels hoch schwingender Lichtphotonen dauerhaft und von innen heraus saniert wird.(8) Uschi Eichinger und Kyra Hoffmann-Nachum benennen Vitalstoffmangel als die Ursache für Burnout.(9) Hunderte  von Behandlungs- und Heilungsmethoden werden angeboten. Aber was hilft wirklich? Die esoterische Szene verkauft als Burnoutheilung das Finden des „Alphas“ durch Meditation, Joga und anderen unzähligen Übungen und Heilungsmethoden. Das Volksleiden Burnout ist zur einer Gewinn versprechenden Einnahmequelle geworden. Burnout wird gewinnbringend vermarktet.
Das Entstehen eines Burnouts ist ein komplexer Prozess. Es sind immer mehrere Faktoren, die zu einem Burnout führen. Reduktionismus hilft bei der Erforschung eines solchen komplexen Systems zunächst nicht. Der Versuch die Ursache für das Burnoutproblem auf ein Detail zu reduzieren und dieses zu behandeln führt nicht zur Bewältigung der Problematik. Komplexe Probleme entwickeln in ihrer Komplexität eine Problematik, die über die Summe der Einzelprobleme hinausgeht. Eines der größten Irrtümer, die zum Versagen der Burnouttherapieen führt, besteht in der allgemein angenommene Vereinfachung des Burnoutsyndroms auf die Ursache:  Ein Burnout entsteht durch ein über einen längeren Zeitraum andauerndes Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen, die an einen Menschen gestellt werden bzw. die er an sich selbst stellt und den Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen.(10) Die Verantwortung liegt dann immer bei dem Patienten selber. Wie sagte Schenzinger: Der Geschlagene ist immer im Unrecht!(11) Die Schuldzuweisung trifft dann den Patienten. Dadurch konzentrieren sich die Prävention und die Behandlung auf die Reduzierung der individuellen Energiefresser und die Schaffung von neuen persönlichen Ressourcen um den Alltag zu bewältigen.
Nun hat aber jeder Mensch sein Limit und seine Grenze. Burnout kann jeden treffen. Man muss nur die Belastung hoch genug fahren. Irgendwann zerbricht jeder. Burnout ist ein komplexer Prozess, der den Menschen in allen seinen Lebensbereichen tangiert. Er geschieht, wenn Menschen nicht mehr selber leben, sondern gelebt werden. Je nachdem, von wie vielen Seiten die Herausforderungen kommen, ist die Belastungsgrenze erreicht. Deshalb ist ein komplexes Verständnis des Syndroms notwendig, welches dann im präventiven sowie kurativen Bereichen zu einer holistischen Behandlung führt.
Die Ursachen und somit auch die Lösungen sind deshalb nie einfach. Eine Antwort auf die Burnoutepedemie finden wir nur in der Akzeptanz der Komplexität des Problems und der  daraus folgenden holistischen Behandlung, welche neben der Person auch die Familie, das gesellschaftliche Umfeld und ganz besonders den Arbeitsplatz behandelt. Die Reduzierung des Problems auf die psychosomatische Komponente des Patienten hat bisher keine Lösung gebracht. Die Zahl der Erkrankungen hat in der letzten Zeit rasant zugenommen.
Das Burnout des Einzelnen stellt sich als ein Symptom der Erkrankung der Gesellschaft dar. Der Mensch lebt als Gemeinschaftswesen in eine familiäre Umgebung und in der Gesellschaft. Er ist ein empathisches Wesen, das heißt der Einzelne ist nur so gesund wie die Gemeinschaft in der er lebt.  Empathie (gr. ἐμπάθεια) bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die eigene Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Freude, Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.(12) Das Individuum wird so von seiner Umgebung geprägt. Empathie macht den Menschen zum sozialen Wesen.(13) Ein Burnout entsteht immer in einem Beziehungssystem. Es ist eine Erkrankung des sozialen. Ist es nun ein Beziehungsproblem, dann kann es nicht durch den individuellen Ansatz geheilt werden. Burnout betrifft das ganze Leben eines Menschen mit allen Lebensbereichen. Es entsteht in dem komplexen Systems der menschlichen Existenz.
Die tiefste Ursache für Burnout ist der Verlust der Motivation für die Anstrengung. Dieser Verlust entsteht nicht als Folge des Prozesses, sondern ist der Auslöser desselben. Es ist der Zusammenbruch der gesunden Beziehungen, welches die Ursache für den Burnout bildet. Bournout-Patienten verbrennen innerlich, weil sie nicht mehr wissen, wofür sie brennen sollen.(6)

1 Martin Grabe, Zeitkrankheit Burn-out, (Verlag der Francke Buchhandlung, Marburg: 2005)10 
2 Manfred Nelting, Burn-out - Wenn die Maske zerbricht: Wie man Überbelastung erkennt und neue Wege geht, Mosaik Verlag, München 2010, S 42
3 Helen Heinemann, Warum Burnout nicht vom Job kommt: Die wahren Ursachen der Volkskrankheit Nr. 1, (Adeo, Asslar: 2012)
4 Helen Heinemann, Warum Burnout nicht vom Job kommt: Die wahren Ursachen der Volkskrankheit Nr. 1, (Adeo, Asslar: 2012) 10-28
5 Helen Heinemann, Warum Burnout nicht vom Job kommt: Die wahren Ursachen der Volkskrankheit Nr. 1, (Adeo, Asslar: 2012) 41
6 Manfred Nelting, Burn-out - Wenn die Maske zerbricht: Wie man Überbelastung erkennt und neue Wege geht, Mosaik Verlag, München 2010, 210
7 Im Jahr 2010 gab es 10.021 Suizide in Deutschland. Es gibt mehr als doppelt so viele Suizide wie Verkehrstote. Josef Kuhn, http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2011/12/suizide-in-deutschland-nehmen-wieder-zu.php (30.8.2012)
8 Michael König, Burnout: Das quantenmedizinische Heilkonzept, Scorpio Verlag,  München 2012
9 Uschi Eichinger, Kyra Hoffmann-Nachum, Der Burnout-Irrtum: Ausgebrannt durch Vitalstoffmangel. Burnout fängt in der Körperzelle an. Das Präventionsprogramm mit Praxistipps und Fallbeispielen, Systemed Verlag, Lünen 2012
10 http://www.burnoutzentrum.com/ursachen-fuer-burnout
11 Karl Aloys Schenzinger, Atom (Wilhelm Andermann Verlag, München Wien: 1950)357
12 J. A. Hall & F. J. Bernieri, Interpersonal Sensitivity, Theory and Measurement, Lawrence Erlbaum Assoc Inc., London, 2001, S. 21 f.; Paul Ekman, Gefühle lesen, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, S. 249 (2. Auflage 2010, (Taschenbuch); 
13 Jeremy Rifkin: "The empathic civilization" http://www.ted.com/talks/lang/en/jeremy_rifkin_on_the_empathic_civilization.html

Samstag, 1. September 2012

Burnout: Keine andere Erkrankung ist so teuer!

Burnout: Keine andere Erkrankung ist so teuer!



Bei Burnout geht es ums Geld, um sehr viel Geld. Es geht um Milliarden. So schreibt die „Welt“ am 1.5.2009: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz verursachen in Deutschland jährlich volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro.(1) Dabei handelt es sich nur um die Kosten die im direkten Zusammenhang mit der Erkrankung entstehen. Die Süddeutsche Zeitung zeigt auf, dass die Kosten für die Deutsche Volkswirtschaft noch höher liegen: Angst vor Jobverlust, schlechtes Betriebsklima, Leistungsdruck: Durch psychische Belastungen der Mitarbeiter entstehen einer Studie zufolge Schäden in Milliardenhöhe. Insgesamt entstehen durch arbeitsbedingte Erkrankungen und Frührente jährlich Kosten von 44 Milliarden Euro.(2)
Franz-Karl Daublebsky stellt fest:  Laut WHO nehmen die psychischen Krankheiten nach den Herz Kreislauferkrankungen bereits weltweit den 2. Platz ein. Die Zahl der irreparablen Burnoutfälle hat sich in den letzten 2 Jahren verdoppelt, alleine die Folgekosten betragen in Österreich 2,2 Milliarden Euro pro Jahr. Absenzen kosten die Deutsche Wirtschaft jährlich 40 Milliarden Euro. Präsentismus (krank am Arbeitsplatz) kostet 120 Milliarden Euro.(3) Dazu kommt es durch den Ausfall von Know-how, von Kontakten und Beziehungen und dem gesamten Humankapital mit den personengebundenen Wissensbestandteilen in den Köpfen der Mitarbeiter, zu hohen wirtschaftlichen Verlusten. Das Hamburgsche Welt Wirtschaftsinstitut HWWI zeigt in seinem veröffentlichten Bericht auf, dass Leistungseinbußen – bedingt durch psychosoziale Erkrankungen und Beeinträchtigungen im Jahr 2010 die deutsche Volkswirtschaft mit 364 Milliarden Euro, das sind 16% des BIP, belasteten.(4)