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Montag, 9. November 2015

Menschen lieben - eine missiologische Reflektion


















Mein neues Buch ist da. Könnt ihr bei mir bestellen. Einfach Nachricht über Facebook schicken!


Hier das Vorwort zum Buch:
Liebe Leser,
Während der 40 Jahren meines Missionsdienstes stellte sich mir immer wieder die Frage nach der Begründung der christlichen Mission. Die Antwort darauf ist, auf Grund meiner Biographie existenziell. Warum christliche Weltmission und wie sollte diese gestaltet werden? 
Die Welt in der wir leben hat eine Vielzahl von Problemen. Sie ist voller Kriege und Konflikte. Sie ist voller Flüchtlinge, die unter Zurücklassung ihres Besitzes ein neues Land suchen um der erfahrenen Notsituation zu entkommen. Die gewaltige Zahl der Menschen auf der Flucht bedeutet unendliches menschliches Leid. Über 50% der aktuellen Flüchtlinge sind minderjährig. Die Zahl und auch die Tragik sind weit größer als nach dem 2. Weltkrieg als ca. 18 Millionen Deutsche ihre Heimat verloren. Die moderne Völkerwanderung wird die Welt für immer grundlegend verändern.
Aber nicht nur dort, sondern auch in allen anderen Bereichen der Menschheit existiert Not. Die individuellen Schicksale sind vom Leid gekennzeichnet. In der schnell wachsenden Bevölkerung, die im globalisierten Daseinskampf ohne Spielregeln auf dem anarchistischen Prinzip des „Rechts des Starken“ ausgetragen wird, kann es nur Verlierer geben. Trotz Vernetzung erleben die Einzelnen Einsamkeit.
Dem gegenüber steht die Botschaft des biblischen Evangeliums, die Frohe Botschaft. Diese basiert in Gott, der wirklich da ist, und sich dem Menschen in Liebe zuwendet. Laut Jesus ist das höchste Ziel der menschlichen Existenz die Liebe, die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Um das zu bewirken hat Gott sich selbst in die Welt gesandt. Das Evangelium erhebt einen exklusiven universalen Absolutheitsanspruch und wendet sich liebevoll allen Menschen zu. Karl Hartenstein fasst diese Dialektik so zusammen:
1.      Mission ist die radikale Tapferkeit, den Gegensatz zwischen Christusbotschaft und Heidentum zu ertragen und zu durchleiden.
2.      Mission ist die radikale Demut und Liebe, mit der Gott selbst uns zu seinem Geschöpf ruft, welches sich nach ihm sehnt und sich um dessentwillen ängstigt, weil es ihn noch nicht gefunden hat.[1]
Was bedeutet das alles nun für uns heute? Hat die christliche Mission den Auftrag in einem globalen „Kreuzzug gegen das Böse“ die Nichtgläubigen auszurotten? Soll die Mission als Diakonie verstanden werden, welche in Aufopferung den Menschen in ihrem Unheil Trost bringt? Hat die Mission der Kirche die Aufgabe die Welt zu verändern oder die Gemeinde zu sammeln? Ist Transformation Auftrag oder Irrweg? Ist das Heil messianisch oder transzendent zu sehen. Diese und anderen Fragen, wie die Frage nach dem Leid, haben mein Leben bestimmt.
In dieser Reflektion möchte ich Sie daran teilhaben lassen. Ich möchte die Leser auffordern sich den Fragen aufrichtig zu stellen und nach Antworten zu suchen. Das Buch ist wie folgt aufgebaut: Zuerst schauen wir uns die Welt an, von der Apostel Johannes sagt, dass Gott sie liebt. Danach wende ich mich diesem Gott zu. Wer ist der Gott, der sich uns in der Bibel darstellt, und warum liebt er und was ist Gottes Mission in dieser Welt? Im dritten Teil blicken wir in die zweitausendjährige Geschichte der christlichen Mission in dieser Welt. Stimmt Gottes Mission und die Praxis der Mission der Kirche überein, oder widersprechen sie sich?
Ich widme diese Arbeit einer neuen Generation von Botschaftern an Christi statt. Ich wünsche mir, dass das Evangelium von Jesus Christus zu einer Frohen Nachricht für die Menschen von heute wird. Möge El Schaddai mit seinem Schalom diese Welt regieren.
Johannes H. Klement, Erlangen, 1. Oktober 2015

Ab heute auch im Deutschen Buchhandel:
https://www.buchhandel.de/buch/Menschen-lieben-9783956260506

[1] Karl Hartenstein, Die missionarische Begegnung mit dem Heidentum, Mission und Gemeinde Heft 51 (Missionsverlag, Stuttgart: 1938)8

Sonntag, 14. Juli 2013

Samstag, 6. Juli 2013

Hölle eine Predigt zu einem heissen Thema!

Die Hölle ist in vielen Kirchen und Gemeinden ein Tabuthema. Kann man heute darüber noch predigen? Ich habe es versucht.

Hier zum Download:
Hoelle 

Freitag, 14. Juni 2013

Sonntag, 9. Juni 2013

Freitag, 7. Juni 2013

Gottesoffenbarung


2.7 Warum hat sich Gott offenbart?

Dass Gott sich offenbart, sagt wenig darüber aus, warum er sich offenbart. Warum redete er? Warum schuf Gott die Welt? Warum schuf er den Menschen? Warum hat er dem Menschen die Möglichkeit gegeben, Böses zu tun? Diese und ähnliche Fragen wurden oft gestellt. Die Bibel beantwortet nicht alle Fragen und befriedigt nicht die Neugier. Sie offenbart aber viel mehr als der oberflächliche Leser vielleicht sieht. So heißt es im Deuteronomio: Die Geheimnisse sind des HERRN, unseres Gottes, die geoffenbarten Dinge aber sind für uns und unsere Kinder bestimmt ewiglich ... (5Mo 29,29) Einige Geheimnisse bleiben verborgen. Deshalb müssen wir lernen, mit offenen Fragen zu leben. Wir können und sollen jedoch mit großer Hingabe die Offenbarung Gottes erforschen, um ihn besser kennen zu lernen. Das Wissen über Gott führt in eine Beziehung mit Gott. Aus der Beziehung mit Gott erwächst dann ein Leben aus Gott.
Der Fakt dass es eine Gottesoffenbarung gibt zeigt, dass Gott sich offenbaren wollte. Wir wissen, dass der Wille Gottes ein Ausdruck seines Seins ist – alles was Gott ausdrückt, ist er. Gott lügt niemals, denn er ist die Wahrheit (Hb 6,18).  Wenn er sich offenbart, er etwas erschafft, ist er wahrhaftig, er kopiert nicht, er hintergeht niemanden. Alles was er tut ist Ausdruck seines ureigenen Wesens. Wir können also folgern, dass die Offenbarung Gottes Teil der Essenz seines Wesens ist – Gott ist ein kommunizierender Gott, er ist Kommunikation, er ist das Wort.[1]
Johannes sagt ganz klar aus, dass Gott die Liebe ist (1Jo 4,8+16). Liebe ist niemals passiv. Sie muss sich immer ausdrücken, sich kommunizieren. Edgar Young Mollins sagt: Die Liebe ist das kommunikative Sein der Natur Gottes.[2] Gott könnte nicht Liebe sein, ohne diese auszudrücken.
Ein Wesen für sich kann nicht lieben. Liebe ist ein ethischer Wert, dessen Grundlage Beziehungen sind. Damit Liebe möglich ist, müssen mindestens zwei autonome Personen in eine Beziehung treten. Gott zeigt sich in der Bibel als der dreieinigen Gott, drei Personen in einer. Dadurch ist er im Wesen Beziehung und kann deshalb Liebe in sich selbst sein. Liebe ist jedoch nicht ein statisches Sein, sondern dynamische Aktivität und braucht für ihren Bestand Ausdrucksmöglichkeit. Es ist die Liebe, die schafft, die sich kommuniziert, die sich offenbart. Es ist die Liebe Gottes, die ihn dazu bringt, „Es werde Licht!“ (1Mo 1,3) zu sagen, es ist Seine Liebe, die es sich als Ziel gesetzt hat, den Menschen, ein Wesen, dass lieben kann, zu schaffen (1Mo 1,26). Es ist diese Liebe die fragt: „Adam, wo bist du?“ (1Mo 3,9). Ohne die Liebe Gottes gäbe es keine Offenbarung, da diese nur ein einziges Ziel hat: Ausdruck von Gottes vollkommener Liebe zu sein.
In der Dreieinigkeit gibt es kein Neid.  Der Heilige Geist liebt den Vater, der Vater liebt den Sohn und so lieben sie sich auf vollkommener Weise. In einem einzigen Willen und einer einzigen Schöpfung offenbaren sie sich vereint (1Mo 1,1-2; Kol 1,15-16). Alles Existierende hat seinen Ursprung in der Liebe der Dreieinigkeit in sich. Die logische Schlussfolgerung ist, dass alles Existierende Objekt der Liebe Gottes ist. Gott will Liebe, denn er ist die Liebe. Der Mensch ist also ein Empfänger der Liebe Gottes. Gott liebt die ganze Schöpfung, die ja durch seine ewige Liebe entstanden ist. Doch von allen Erdgeschöpfen ist der Mensch die einzige Spezies, die auch die Kapazität hat, zu lieben.
Dieses führt uns in ein Dilemma. Die Fähigkeit zu lieben bringt unumgänglich auch die Kapazität nicht zu lieben, das bedeutet zum hassen, in sich. Die Liebe braucht immer die Freiheit. Die Liebe Gottes muss dem Menschen auch den freien Willen geben. Ist der Mensch frei, Gott zu lieben, hat er auch die Möglichkeit, ihn nicht zu lieben. Nichts und Niemand nimmt dem Menschen die Verantwortung der Entscheidung zwischen Liebe und Hass ab. Das ist nicht leicht. Wer sich entscheiden kann, ob er liebt oder hasst, ist eben nicht kausal determiniert. Erich Fromm beobachtet: Mit der Geburt (der menschlichen Rasse wie auch des einzelnen Menschen) wird der Mensch aus einer Situation, die so unbedingt festgelegt war wie die Instinkte, in eine Situation hineingeschleudert, die nicht festgelegt, sondern ungewiss und offen ist.[3]
Gott hat sich als Gott der Liebe offenbart und hat den Menschen mit der Fähigkeit geschaffen, zu lieben, was wiederum seinen freien Willen voraussetzt. Eine Prädestination oder Vorbestimmung zum Lieben existiert nicht und kann auch gar nicht existieren, da die Liebe nur als freiwilliger Akt und Handlung einer reifen und selbstständigen Person ist und jede Art von Manipulation und allen Zwang ausschließt. Darin liegt die Grenze der göttlichen Souveränität. Hier stehen wir vor der philosophischen und theologischen Dialektik zwischen Souveränität Gottes und der Verantwortlichkeit des Menschen. Gott, selbst mit Seiner Allmacht, kann niemanden zwingen, ihn zu lieben. Jeder Zwang oder jede Manipulation der Liebe würde sie ihrer Schönheit und ihrem Edelmut entleeren und sie aufheben, ja sie annullieren. Die Freiheit zur Liebe, die Gott dem Menschen gibt, grenzt seine Souveränität ein. In seiner Souveränität hat er ein liebesfähiges Wesen erschaffen und damit seine eigene Souveränität eingeschränkt. Dies ist sein Wille. Er respektiert aus sich heraus die Persönlichkeit und Entscheidung des Menschen.
Mit der Freiheit der Entscheidung zwischen lieben und hassen wird der Mensch für seine Handlungen verantwortlich. Er wird also ein moralisch verantwortliches Wesen. Es gibt theologische Denkrichtungen, die so sehr die Souveränität Gottes herausheben, dass sie sogar die Verantwortung jeder einzelnen Person vergessen, doch wer den freien Willen des Menschen bestreitet, verleugnet auch die Fähigkeit des Menschen Gottes zu lieben. Er hebt damit die Aussage Jesu zum höchsten Gebot auf. Die moralische Freiheit des Einzelnen macht aus ihm einen Menschen, der lieben kann. Erst dadurch wird er, im christlichen Sinne, zu einer Person.
Wer liebt, setzt sich der Möglichkeit aus, verletzt zu werden, denn in der Liebe gibt es immer die Möglichkeit der Zurückweisung. Sie sucht immer die Vereinigung des Liebenden und des Geliebten und eine Trennung ist eine Quelle des Schmerzes für den, der liebt. Die Liebe sucht die Vereinigung, die nur dadurch erreicht werden kann, wenn jemand versucht, die Trennung aufzuheben. Jemand muss die Stille brechen und sich ausdrücken. Gott hat dieses den Menschen gegenüber getan. Er hat das schweigen gebrochen. Er will die Vereinigung mit dem Menschen. Eine reife Liebe ist die, in der sich Integrität und Individualität nicht aufheben, sondern sich erhalten.[4] George W. Peters sagt dazu: Göttliche Liebe ist jene beschleunigende und dynamische Qualität, mit der sich Gott aus sich selbst herausbegibt und sich mit seinem ganzen Wohlwollen und mit seiner ganzen Fülle in Beziehung zu seiner Schöpfung setzt. Seine Liebe motiviert ihn von Ewigkeit her, sich dem Objekt dieser Beziehung aufzuschließen und mitzuteilen.[5]
Wir können also daraus schließen, dass die Motivation der Gottesoffenbarung in der Tatsache beruht, dass Gott die Liebe ist. Peters formuliert so: Die drei Worte „Gott ist Liebe“ sind von einzigartiger Bedeutung, sie sind die majestätischste Beschreibung des inneren Seins und Wesens Gottes.[6] Diese Liebe existierte schon bevor der Schöpfung. Die Liebe Gottes beinhaltet den Wunsch, sich auszudrücken. Sie hat alles geschaffen und so ist jede Schöpfung in sich eine Quelle der Offenbarung Gottes. Peters beschreibt die Aspekte dieser Liebe wie folgt:
1.      Liebe ist eine aus sich selbst herausgehende dynamische Beziehung.
2.      Liebe ist eine sich aufopfernde, aktive Beziehung.
3.      Liebe ist eine umfassende (die ganze Welt einschließend)Beziehung
4.      Liebe ist eine vielfältige Beziehung, die sich nach Art, Zustand und Bedürfnis ihres Objekts richtet.[7]
Die Sendung Gottes in diese Welt hat ihren Ursprung im Wesen Gottes. Die Mission Deí, die Mission Gottes, ist die Handlung seiner Liebe, seines ureigenen Seins. Liebe wird nur durch den Ausdruck real. Einer dieser Ausdrücke der Liebe Gottes ist das existierende Universum. In dieses hat Gott den Menschen gestellt, um der Empfänger seiner Liebe zu sein, das heißt von Gott geliebt zu werden und die Fähigkeit zu haben, ihn zurückzulieben.[8] Damit das möglich wurde, musste Gott sich spezifisch auf einer für den Menschen erfassbaren Weise offenbaren. Diese Selbstoffenbarung ist die Missio Dei, die göttliche Mission auf dieser Welt. Er hat sich selbst der Welt gesendet, als dass man ihn erkenne.[9]
In der Gotteserkenntnis spielt die Heilige Schrift, die Bibel eine wichtige Rolle. Diese ist Trägerin der Gottesoffenbarung, doch nicht der Grund der Missio Deí. Sie ist Teil davon. Gott hatte sich schon vor der Existenz der Bibel offenbart. Der Ursprung der Bibel ist der Tatsache zu suchen, dass Gott in seiner Liebe, sich offenbaren will. Die Mission Gottes in dieser Welt gab der Bibel den Grund zu ihrer Existenz. Aus der Bibel heraus jedoch erlangen wir zur Kenntnis der Missio Deí.
Gott hat den Menschen in Seinem Ebenbild geschaffen (1Mo 1,26-27). Ein Bild ist eine Darstellung. Als Gott zu Adam sagte, er solle die Erde mit seinen Nachkommen füllen, so gab er ihm die Aufgabe, die Welt mit Gottes Bild zu füllen. (1 Mo 1,28) Gott wollte sich überall dort offenbaren, sein Bild zeigen, wo der Mensch, Homo Sapiens, ist.
Als aber die Sünde in das Leben der Menschen kam, hat dieser die Fähigkeit verloren, Gott zu offenbaren. Das Bild Gottes wurde verzerrt. Der Mensch liebte nicht mehr. ER vertraute Gott nicht und schon im Gespräch im Garten Eden zeigen sich Kontroversen zwischen Adam und Eva. Der Brudermord von Kain an Abel ist eine Konsequenz dessen. Er zeigt dass der Mensch sich von seiner Dasseinsbestimmung, der Liebe, verabschiedet hat. Er ist sündig, das heisst Zweckentfremdet. Der Mensch ist zwar immer noch Träger der Spuren der Gottesoffenbarung, denn er kann lieben. Laut Paulus aber weisen alle Menschen Mängel auf (Rm 3,23). Nur in einem Menschen, dem zweitem Adam, Jesus Christus, (Rm 5) hat sich das Ziel der Schöpfung erfüllt. Jesus lebte auf der Welt, um seinen Vater zu offenbaren. Er ist das Ebenbild des lebenden Gottes. Paulus sagt über Christus: ... welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1:15), ... Christi, welcher Gottes Ebenbild ist (2.Ko 4,4). [10]
Jesus von Nazareth, der Christus Gottes ist die von Gott ausgehende Brücke zum Menschen. Er ist die personifizierte Liebe Gottes. Im Erkennen Gottes in Christus, in der Begegnung mit Ihm, wird der Mensch gerettet (Joh 17,3). Dieser hat dann Gemeinschaft mit Gott (Rm 5,1). Durch die Neugeburt wird der Mensch Kind Gottes (Joh 1,12; 3,5f) Diese Gotteskindschaft rüstet nun den Menschen so aus, dass durch ihn, den Geretteten, Gott der Menschheit bekannt wird (1Pe 2,9). Die christliche Erbauung hat als Ziel, dass Jesus in den Gläubigen Form annimmt (Gal 4,19). Wachstum und Reife als Christ liegen nun nicht in der Perfektion moralischen Handels, sondern in der Jesusähnlichkeit. Gelebte Liebe, Hinwendung und Hingabe an Menschen ist das Handeln, durch welches Gott offenbar wird. Damit wird Jesus in seinem Leben und Handeln zum normativen Vorbild für den Christen.
Die Mission Deí und damit die christliche Kirche und Mission hat als einziges und ausschließliches Ziel die Offenbarung Gottes. Alle anderen Absichten, Vorstellungen und Pläne wie die Rettung des Einzelnen, der Wachstum der Gemeinde Jesu Christi, die soziale Lösung, die kulturelle Erziehung usw., sind nur dann begründbar, wenn Gott durch sie offenbar und bekannt wird. Es geht um das Erkennen Gottes. Wenn es nicht zur Gotteserkenntnis kommt, dann ist, wie Karl Barth es ausdrückt, würde alles was in der Kirche ausgesagt und zu vernehmen ist, ohne Subjekt, als leerer Schall im Raum stehen.[11] Christliche Aktivität wird und muss an der Erkennbarkeit Gottes durch sie gemessen werden. Von diesem Gesichtspunkt aus sollten die daraus erwachsenen Implikationen für Gemeinde und Mission untersucht werden.
Die christliche Mission hat ihre Begründung nicht im Menschen, aber in Gott. Es ist nicht die Misere des Menschen, aber die Liebe Gottes, die Mission begründet und motiviert. Diese Liebe sucht den Menschen in seiner Not. Robert E. Speer sagt: Der wichtigste Grund für Mission findet sich nicht in einem besonderem Wort. Dei Existenz des Wesen Gottes an sich ist der Grund für die Mission, wir können nur so über Gott denken, dass es uns konsequent zur Mission bringt [12] Gottes ureigene Sendung, die Offenbarung seines Wesens, welches Liebe ist hat seinen menschlich fassbaren Ausdruck in Jesus von Nazareth, dem Immanuel, bekommen. Alle Sendung, auch die der christlichen Kirche kann nur innerhalb dieser Sendung verstanden werden.
Seid der Weltmissionskonferenz 1952 in Willingen wurde der Begriff „Missio Dei“, die Mission Gottes, geprägt. In der Schlusserklärung heißt es:
Die Missionsbewegung, von der wir ein Teil sind, hat ihren Ursprung in dem dreieinigen Gott. Aus den Tiefen seiner Liebe zu uns hat der Vater seinen eigenen geliebten Sohn gesandt, alle Dinge mit sich zu versöhnen, auf dass wir und alle Menschen – durch den Heiligen Geist – eins werden möchten in ihm mit dem Vater. ... In Christus sind wir ... zur vollen Teilnahme an seiner Sendung bestimmt. Man kann nicht an Christus teilhaben, ohne teilzuhaben an seiner Mission an der Welt. Die gleichen Taten Gottes, die, aus denen die Kirche ihre Existenz empfängt, sind es auch, die sie zur Weltmission verpflichten.[13]

Karl Hartenstein führte dazu weiter aus: Die Sendung des Sohnes zur Versöhnung des Alls durch die Macht des Geistes ist Grund und Ziel der Mission. Aus der „missio  Dei“ allein kommt die „Missio ecclesiae“.[14] In der Mission geht es also um Gottes ureigenes Handeln. In der Suche nach einer relevanten Missiologie fasst David Bosch die Überlegungen der Missionskonferenz von Willingen zur Mission mit folgenden Worten zusammen:
Mission kann man nur vom Wesen Gottes her ableiten und verstehen. Sie kommt von der Lehre der Dreieingkeit her und ist weder bei der Ekklesiologie (der Lehre von der Kirche) noch bei der Soteriologie (der Lehre vom Heil) anzusiedeln. Dabei muss man die traditionelle Sicht der Missio Deí welche darin besteht, dass Gott der Vater den Sohn und den Heiligen Geist sendet, um eine Sendung erweitern: Vater Sohn und Heiliger Geist senden die Kirche in die Welt.[15]

Christusbezogener Gottesglaube ist ohne Mission nicht denkbar. Christliche Weltmission ist nicht ein „muss“, welches ihre Begründung in dem Missionsbefehl hat, sondern Wesensart und Lebensäußerung christlicher Existenz. Sie ruft auch nicht zuerst zur Bekehrung auf, sondern sie proklamiert zuerst die Zuwendung Gottes in Liebe zu den Menschen. Sie ist der Ruf in eine freiwillige Beziehung zu Gott. Diese Beziehung ist eine lebendige dynamische Beziehung von autonomen Persönlichkeiten und nicht die gehorsame Unterwerfung unter eine absolute Macht.


[1] Johannes 1:1 Das Wort “Wort” wird im griechischen als logos (logos) übersetzt und bedeutet organisierte Kommunikation. Das Sprechen. Bauer sagt auch die Offenbarung Gottes durch Christus und seine Boten. Walter Bauer, Kurt und Barbara Aland, Griechisch – deutsches Wörterbuch, völlig neu bearbeitete Auflage (Walter de Gruyter Berlin – New York: 1988) 968 - 972
[2] Edgar Young Mollins, The Christian religion in its doctrinal Expression (Nashville: SSB of the Southern Baptist Convention, 1917) 236
[3] Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, (Ullstein Verlag, Frankfurt: 1990) 17
[4] Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, (Ullstein Verlag, Frankfurt: 1990) 31
[5] George W. Peters, missionarisches Handbuch und biblischer Auftrag – Eine Theologie der Mission (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell: 1977) 64
[6] ebd
[7] George W. Peters, missionarisches Handbuch und biblischer Auftrag – Eine Theologie der Mission (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell: 1977) 64 - 65
[8] Vicedom, Georg F., Missio Dei – Einführung in eine Theologie der Mission (Keiser Verlag, München 1958)19
[9] Vicedom, Georg F., Missio Dei – Einführung in eine Theologie der Mission (Keiser Verlag, München 1958)13
[10] George W. Peters, missionarisches Handeln und biblischer Auftrag – Eine Theologie der Mission (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzelle: 1977) 65
[11] Karl Barth, Kirchliche Dogmatik, Band 2 Die Lehre von Gott, in 2 Halbbänden (Evangelische Verlags AG, Zollikon – Zürich:1948)1
[12] Speer, Robert E. Christianity and the Nations (New York: Revell, 1910) 17
[13] Zitiert nach Wilhelm Richebächer, „Missio Dei“ – Grundlage oder Irrweg der Missionstheologie in Studienheft Weltmission heute Nr. 52, missio Dei heute, (Evangelisches Missionswerk in deutschland, Hamburg: September 2003) 186
[14] ebd. 187
[15] David Bosch, Transforming Mission. Paradigm Shifts in Theology of Mission. (Maryknoll: Orbis 1991)

Mittwoch, 6. März 2013

Arbeiten am Hause Gottes

Die Predigt zur Einweihung des Gemeindehauses der FeG Erlangen nach der Renovierung.

Hier zum Download:
Arbeiten am Hause Gottes

Hier zum Player:

Sonntag, 3. März 2013

The Whole Story

Die neue Webseite von  

 The Whole Story - TWS

ist online!
Ihr findet dort didaktisches Material zum Erzählen biblischer Geschichten!
Hier zur Webseite:
The Whole Story - TWS 


In dem Projekt The Whole Story geht es darum die Geschichten der Bibel Kindern bekannt zu machen. Das Erzählen von Geschichten prägt Menschen in ihrem Denken und Handeln. Das Leben in dieser Welt ist kompliziert. Es braucht Werte. Deshalb möchten wir Kindern biblische Geschichten erzählen, welche ihnen eine Grundlage für ihre Lebensgestaltung gibt.
Um das Erzählen zu erleichtern stellen wir viele kreative Ideen mit Bildern und Anleitungen frei ins Internet. Dieses Material wird von unserem weltweiten Team erstellt und gesammelt. Auch viele Freunde des Projekts aus verschiedenen Teilen der Welt stellen ihre Ideen zur Verfügung. So entsteht ein sehr bunter Ideenpool.
 


Freitag, 11. Januar 2013

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Frauen im Stammbaum Jesu

Eine Adventspredigt

Was haben die Frauen im Stammbaum Jesu zu suchen? Eine Predigt zu Matthäus 1.

Hier zum Download:

Frauen im Stammbaum Jesu


Donnerstag, 29. November 2012

Wer ist Jesus Christus Download


Jesus von Nazereth stellt die Behauptung auf, dass er der einzigste Weg zu Gott ist. Wer ist er? Hier eine Predigt zu dem Thema!


Download:  
Wer ist Jesus Christus?





Wer ist Dein Nächster Download

"Wer ist mein Nächster?" -oder "Wer ist Dein Nächster?"

Wer ist es nun mein Nächster?
Die Frage nach den Beziehungen ist grundlegend für die menschliche Gemeinschaft.
 Download:
 Wer ist mein Nächster?




 

Montag, 19. November 2012

Immanuel: Der andere Gott



Worin unterscheidet sich der Gott der Bibel von den Göttern der Religionen?
Der Gott der Bibel offenbart sich als Immanuel: Gott mit den Menschen.



Der Glaube an die Offenbarung Gottes führt zu der Frage, wer denn dieser Gott ist. Was wissen wir über ihn und welche Konsequenzen haben diese Erkenntnisse für das menschliche Dasein. Zu diesen Fragen sind über Jahrhunderte hinweg lange Studien gemacht worden. Diese alle aufzugreifen ist hier nicht meine Absicht. Es geht mir nur um den Aspekt, dass Gott sich offenbaren, sich mitteilen will. Ich möchte das Gottesverständnis aus dem Blick der Mission Deí beleuchten. Damit sind alle Eigenschaften, welche wir über Gott kennen, Teil seiner Selbstmitteilung. Das jeweilige Gottesverständnis führt zu der daraus folgenden Ethik. George Verwer behauptete: Jede Irrlehre fängt mit einem falschen Gotteskonzept an!1
 Gottesbilder sind die Grundlagen eines jeden kulturellen Systems. Taylor definierte Kultur als jenes komplexe Ganzes, welches Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, Sitte und Brauch und alle anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten einschließt, welche der Mensch als Mitglied der Gesellschaft erworben hat.2 Mühlmann definiert Kultur als die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie tragenden Geistesfassungen, insbesondere der Werteinstellungen.3 Einem Wertesystem liegt immer ein  Weltbild zu Grunde. Teil eines Weltbildes, oder einer Weltanschauung ist das Verständnis des Verhältnisses der sichtbaren zur unsichtbaren Welt, oder der Immanenz zur Transzendenz. Damit wird die Gottesfrage kulturrelevant.
Für die kulturrelevante Gemeindearbeit ist es deswegen grundlegend, sich mit dem christlichen Gottesverständnis auseinandersetzen. Es existieren viele Ausarbeitungen über den Gott der Bibel.4 Deswegen werde ich nicht auf alle Aspekte der Gottesfrage eingehen, sondern nur an den Punkten arbeiten, die direkt mit der Missio Deí verbunden sind. Es geht um die Kenntnis Gottes, auf Grund der Offenbarung Gottes. Also jene Aspekte, die den sich in der Bibel offenbarten Gott enthüllen, und wie sich dieser Gott von den anderen Göttlichkeitskonzepten in unserer der Welt unterscheidet.
Ich möchte nur vier Bereiche des Wesens Gottes ansprechen:
  • 1.   Der Gott, der sich in der Bibel offenbart, ist ein missionarischer Gott. Einer seiner grundlegendsten Eigenschaften ist, dass er ein Gott der Offenbarung ist;
  • 2.      Der Gott, der sich in der Bibel offenbart ist Liebe;
  • 3.      Der Gott, der sich in der Bibel offenbart sich als dreieinigen Gott;
  • 4.      Der Gott, der sich in der Bibel offenbart sich als ein Gott, der Freude im Vergeben hat.
Diese vier Punkte bedingen einander und sind die wichtigsten Unterschiede des Gottes der Bibel zu den Gotteskonzepten anderer Religionen.
Die allgemeine Offenbarung Gottes, die von allen Menschen beobachtet werden kann, gibt uns nicht mehr als ein limitiertes Wissen über Gott. Nur seine besondere, spezifische Offenbarung kann uns ein Verstehen für die Persönlichkeit Gottes geben. Als Jesaja die Offenbarung des rettenden Gottes empfing, beginnt er seine Botschaft mit dem Ausruf: Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott ... hebe deine Stimme auf mit Macht, hebe auf und fürchte dich nicht; sage den Städten Juda's: Siehe, da ist euer Gott! (Jes 40,1+9) Die Trostbotschaft Jesajas stellt dem Handeln Gottes die Offenbarung seines Seins voraus. Der Trost liegt an erster Stelle in dem wer und was Gott ist und erst in der Folge in dem, was Gott macht. Es geht um Gotteserkenntnis. Der redende Gott, der sich selbst darstellende Gott, ist Teil der biblischen Botschaft. Es sind nicht nur Berichte von Menschen, die sagen so ist Gott, sondern Gott selber redet.
Der Gott der Bibel spricht über sich selbst. Er kommuniziert sich (Heb 1,1-2). Er beharrt nicht im Schweigen 5 und ist nicht von den Menschen distanziert. Paulus sagt vor den athenischen Philosophen Er ist von einem jedem von uns nahe, und in ihm leben, weben und sind wir. (Apg 17,27-28) Damit widerspricht die Bibel den Nihilisten und Deisten, die sagen, dass Gott weit von dem Menschen entfernt ist. Gott und Mensch existieren nicht in einer unüberbrückbaren Distanz zueinander. Der Gott der Bibel stell sich als der sich zuwendende dar. Jakob Kroeker sagt dazu: In allem heilsgeschichtlichen Geschehen, das aus der Erlösung floss und in die Erlösung führte, war mithin Gott in seiner Offenbarung das ursächliche Subjekt, und der Mensch durch den Glauben das empfangende Objekt.6
Der Gott der Bibel versprach: Ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen. (Jer 29,12-14) Das Versprechen Gottes, dass man ihn finden könne, ist an jeden Menschen gerichtet. Es ist unabhängig von seiner Nationalität, seiner Bildung oder sein moralisches Befinden. Paulus schreibt: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der wird gerettet werden (RM 10,13). Und Jesus  Christus selber deklariert: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh 2,37). Die einzige Bedingung ist die ehrliche Suche nach Gott. Diese Nähe Gottes ist die von ihm gewollte Beziehung zu den Menschen.
Keine andere Religion spricht von einem menschennahen und für sie erreichbaren Gott. Die Bibel zeigt klar, dass es Gott ist, der sich dem Menschen nähert. Bevor dieser die Frage stellen konnte: „Gott, wo bist du?“, fragte Gott: „Adam, wo bist du?“ (1Mo 3,8-9). Dies ist ein untypisches Konzept einer Göttlichkeit. Es ist für unser menschliches Verständnis unvorstellbar, dass die Machtinstanz, die überlegene Existenz sagen könnte: Ich strecke den ganzen Tag meine Hand aus zu einem ungehorsamen Volk, das seinen Gedanken nachhängt und auf einem Wege geht, der nicht gut ist (Jes 65,2); oder, wie Jesus weint: Jerusalem, Jerusalem, ... wie oft habe ich deine Kinder versammeln gewollt, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! (Luk 13,34)
Ein menschliches Göttlichkeitskonzept sieht keinen Grund, dass ein Gott, ein höchstes Wesen, den Wunsch hat, von sich aus die Gemeinschaft mit dem Menschen zu suchen. Alle Religionen, selbst ein nicht biblische orientiertes Christentum, lehren Wege und Methoden, mit denen sich der Mensch Gott oder der Göttlichkeit nähern kann. Keiner dieser Glaubenswege jedoch sagt, dass Gott sich dem Menschen nähert. Die Regeln der Annäherung des Menschen zur Gottheit und die Wege der Manipulation derselben, bilden die grundlegenden Bausteine aller Religionen. Der Gott der Bibel ist an diesem Punkt ganz anders. Er selber hat sich mit dem Menschen versöhnt (2Kor 5,19; Jes 43,24-27) und sich ihm genähert. Für die Religionen, ist Gott vom Menschen weit entfernt. Plato sagt: Die Göttlichkeit hat keine Verbindung zu dem Menschen; doch alle Verbindung und Konversation die zwischen Göttern und Menschen erfolgt, wird durch die Vermittlung der Geister bewerkstelligt.7

Animismus
Im Animismus ist das Gotteskonzept schwierig zu entschlüsseln. Beim Animismus handelt es sich nicht um eine einheitliche Religion. Es sind vielmehr unterschiedliche Weltanschauungen, in welche die materiellen Dinge dieser Welt durch geistliche Wesen beseelt (lat. anima, gleich Seele) sind. Dabei existiert jedes Ding in zwei identischen Formen, einer sichtbaren und materiellen, und einer unsichtbaren, geistesartigen.8 Eines der Überzeugungen in den animistischen Weltanschauungen ist, dass Geisteswesen die materielle Welt der lebenden Menschen direkt beeinflussen. Diese Geister existieren nach eigenen Gesetzen und Regeln. Die Beziehung zu den Menschen besteht in der Regel darin, dass die guten Geister den Lebenden wohlgesonnen  sind, und die bösen ihnen Schaden wollen. Der Mensch manipuliert durch Opfergaben mittels Mittler diese Geister. Manche der Geister haben göttliche Züge.
In vielen animistischen Weltanschauungen gibt es einen obersten und höchsten Gott. John Mibiti beschreibt den dominierenden Gott in den animistischen Glaubensarten Afrikas als der unverständliche Geist, der unbekannte, der unerklärliche.9 Phillip M. Steyne informiert:
Im animistischen Konzept der animistischen Kosmo-Vision existiert der überlegene Gott weit von dem Menschen entfernt. Er wird respektiert, doch kann ein Animist sich keine persönliche Beziehung zu ihm vorstellen. Der überlegene Gott wird als Schöpfer, Unterstützer oder Richter respektiert, aber nie als ein Vater, der, als guter und realer Freund sich am alltäglichen Leben des Menschen beteiligt. 10

Die Beziehung zum höchsten Gott im Animismus ist nicht möglich, auch wenn sie erwünscht wäre. Kontakt hat der Mensch mit untergeordneten Geisteswesen. Die Geister lösen bei den Menschen Angst aus. Deswegen werden diesen auch Opfer dargebracht. Käser beschreibt das häufig zu findende Muster wie folgt:
Das höchste Wesen gilt als grundsätzlich gutartig und weise. Es kann aber auch sehr zornig werden. ... Es hat die Welt geschaffen ... zog sich auf Grund der Verderbtheit der Menschen in den Himmel zurück, weit weg, und mischt sich seither eigentlich nicht mehr in ihre Belange ein. Daher wird er von den Menschen verehrt, aber man gibt sich eigentlich nicht mit ihm ab.11

Islam
Im Islam, der Resignation, Unterwerfung oder Sklaverei bedeutet,12 ist der Mensch von Gott entfernt, vom Allah getrennt. Das „Allah Akbar“ (Gott ist groß) des Islams bedeutet, dass Gott sich radikal von allem Existierenden unterscheidet. Eberhard Tröger erklärt: Die Menschenwerdung Gottes in Jesus Christus, d.h. sein Eingehen in das geschaffene Sein, ist für streng muslimisches Denken nicht nur unmöglich, sondern letztlich gotteslästerlich. Die völlige Trennung Gottes von allem Geschaffenen ist vielmehr der Beweis für seine totale Andersartigkeit und damit für seine innere Einheit. 13
In einem von dem Islamischen Zentrum in Aachen veröffentlichtem Flyer heißt es:
Der Islam verkündet eine reine Form des Monotheismus. Gott ist der Eine Gott; Er ist unteilbar und hat niemand neben sich. Er ist unvergleichlich und nichts ist Ihm auch nur ähnlich. Nichts geschieht ohne Seinen Willen. Er ist der Erste, der Letzte, der Ewige, der Unendliche, der Allmächtige, der Allwissende. Er ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Er ist der Gerechte, der Allerbarmer, der Gnädige, der Liebende, der Gütige, der Erhabene, der Preiswürdige, der Wahrhaftige. Er ist der Inhaber und Besitzer aller vollkommenen Eigenschaften.14

Der Koran versteht sich nicht als ein Weg der Näherung Gottes dem Menschen, sondern als eine Offenbarung des Weges, den der Mensch einschlagen muss, um nicht von Allah abgelehnt zu werden. Ein Muslim ist derjenige, der die Gesetze Gottes in allen Lebenssituationen befolgt.15 Nach Eberhard Troeger verstehen Muslime Islam als das einzig mögliche menschliche Verhalten gegenüber dem einen Gott: Ergebung in seinem Willen, Gehorsam und Unterwerfung aller Bereiche seines Lebens unter seine unumschränkte Herrschaft.16
In dem islamischen Konzept von Gott ist es nicht möglich, dass Allah sagen könnte ... Ich stehe vor der Tür und klopfe an ... (Offb 3,20). Als absolute und höchste Autorität gibt es keine Resistenz vor ihm, keine Zuneigung von ihm, sondern nur Unterwerfung. So ist auch das arabische Wort „muslim“ ein Partizip und heißt ein sich Ergebender, Hingegebender, Unterwerfender.17 Das von Allah gegebene Schicksal, das Kismet, ist absolut und ohne eine Möglichkeit für den Menschen dieses zu ändern, oder wie mir mein Freund Achmed sagt: „Allah machen! Was machen“?
Das Gotteskonzept im Islam kennt den auf den Menschen eingehenden Gott nicht. So heißt es in der Sure 42 des Korans ... Nie war es einem Menschen gegönnt, das Allah zu ihm sprach.18 Das Verständnis über den Koran, dem geschriebenen Willen Gottes unterscheidet sich von dem biblischen Offenbarungsverständnis Gottes. Tröger beschreibt ... nach islamischer Auffassung geschah die Selbstoffenbarung Gottes vielmehr so, dass der im Himmel bereits niedergelegte Wille Gottes durch Vermittlung eines Engels bestimmten, dafür auserwählten Menschen in einer konkreten Situation Satz für Satz vorgesprochen wurde.19 Deswegen ist der Koran, der Wille Gottes auch letztendlich nicht übersetzbar. In der 97. Sure heißt es, dass von der Nacht Al-Kadr: In ihr steigen die Engel und der Geist, mit Erlaubnis des Herrn, mit den Anordnungen Allahs über alle Dinge herab.20
Das Gottesbild, welches im Islam vermittelt wird, ist das eines unnahbaren Gottes. Während der Islam keine Priester oder Heilvermittler braucht, ist der Moslem aufgefordert, sich dem durch Mittler überbrachten Willen Allahs, dem Koran, zu unterwerfen. Diese Unterwerfung ist die einzige Beziehungsmöglichkeit zu Ihm. Der muslimische Klerus hat auch dementsprechend ihre Funktionalität.21 Der Mullah ist der Lehrer der Anordnungen Gottes. Der Mufti hat auf die Einhaltung der göttlichen Anordnungen zu achten. Der Imam ist der Vorbeter der Gläubigen. Es geht bei allem um die Einhaltung der Anweisungen und nicht um die Frage der Gottesbeziehung.
Die Beziehung zu Allah ist keine direkte oder persönliche Beziehung, sondern eine indirekte und unpersönliche. Damit wird der große Unterschied zwischen gelebten Islam und gelebten Christusglauben deutlich. Während der hingebungsvolle Moslem sich im Gehorsam dem absoluten Willen Allahs unterwirft, gestaltet der Christ sein Leben in kreativer Freiheit als Ausdruck seiner Liebe zu Gott. Ein Christentum, welches sich der Gottesbeziehung entleert wird dem Islam sehr ähnlich.

Hinduismus und Buddhismus
Die indische Philosophie gehört zu den ältesten der Welt. Sie geht auf die Veden  eine Sammlung von geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religiösen Texten zurück. Aus dieser Weltanschauung entwickelten sich neben dem Hinduismus auch der Buddhismus und der Jainismus. Diese vedischen Religionen sind pantheistische Religionen. Die letzte Wirklichkeit ist kein persönlicher Gott. Alles Sein ist Gott. Deswegen kann man auch eigentlich nicht vom Gotteskonzept sprechen. Der Buddhismus ist aus dem Hinduismus hervorgegangen. Die Religiosität ist zwischen diesen Religionen unterscheidet sich in vielen Aspekten. In der Gottesvorstellung sind sie jedoch ähnlich.
Im Hinduismus wird Brahman als der Weltgeist verstanden, des materielle Ausdehnung das Universum ist. Rabi R. Maharaj beschreibt Brahman in folgender Weise: Die höchste und letzte Realität: ohne Gestalt, unausdrückbar, nicht erkennbar und nicht erkennend: weder persönlich noch unpersönlich; sowohl Schöpfer als auch die Gesamtheit der Schöpfung. Brahman ist alles und alles ist Brahman.22
Es gibt Millionen hinduistischer Götter, die aber nur als Aspekte oder Inkarnationen des Brahman, des Weltengeistes gelten. Die wichtigsten drei Götter des Hinduismus sind Brahma, der Weltenschöpfer, Vishnu, der Welterhalter und Shiva, der Weltzerstörer. Den männlichen Göttern ist jeweils ein Tier und jeweils eine weibliche Göttin zugeordnet, am berühmtesten wohl die Gattin Shiva in ihren Erscheinungen Durga und Kali. Weitere hinduistische Götter sind der Elefantengott, Ganesha,  der Affengott Hanuman, und die Göttinnen Sarasvati, Lakshmi, Radja und Sita. Wichtige und bekannte Inkarnationen Vishnus sind Rama und Krishna.23
So kennt auch die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele. Im Buddhismus existieren zwar Götter, sind aber nicht wirklich entscheidend. Als letztes Ziel der Religion geht es um das Aufgehen in das Nirvana, dem letzten „Sein“ oder auch „Nichtsein“. Gautama Buddha sah sich selber weder als Gott an, noch sah er sich prophetisch von irgendeinem Gott beauftragt. Er kennt keine Gottesoffenbarung.
Die Synchronie mit der „Göttlichkeit“, falls man davon überhaupt sprechen kann, dieser Religionen kann nur durch Übungen erreicht werden, die sich im „Karma“ wiederholen. Der Mensch ist eingebunden in einem unendlichen Zyklus von Reinkarnation. Gottesbeziehung oder Liebe zu Gott ist nicht Bestandteil der Weltanschauung der vedischen Religionen. Liebe ist ein Beziehungsaspekt und setzt eine Persönlichkeit voraus. Ist das Göttliche ein unpersönliches „Sein“, dann ist eine Beziehung nicht möglich, also auch keine Liebe.

Christentum
Auch in manchen christlichen Kirchen, Gruppierungen und Sekten muss der Mensch bestimmte Forderungen erfüllen um sich Gott zu nähern.24 Um mit der Gottheit in Kontakt zu treten, erfordern die meisten Religionen einen Priester, Schamanen, Medizinmann oder andere instruierte Spezialisten. Durch, von diese Personen vollzogenen Riten ist die Annäherung an Gott möglich. Phillip Steyne sagt: Alle Religionen haben ihre Spezialisten.25 Dieses trifft auch für verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften und Kirchen zu. Heilsvermittlung ist dann nur durch speziell geweihte Priester machbar. So erlangen dann auch Sakramente nur durch Spezialisten ihre übernatürliche, göttliche Wirkung. Die kirchlichen Machtstrukturen brauchen den Heil vermittelnden Klerus.
Die biblische Offenbarung ist jedoch anders. Sie kennt nur einen Mittler: Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus. (1Tm 2,5) Seit Jesus Christus braucht es keinen weiteren Spezialisten mehr um mit Gott in Beziehung zu treten. Der Schreiber des Hebräerbriefes bestätigt: Wir haben einen freien und ungehinderten Zugang zum wirklichen Heiligtum ... Deshalb wollen wir mit aufrichtigem Herzen voller Vertrauen und Zuversicht in die Gegenwart Gottes treten. (Heb 10,19-22) Der Apostel Johannes, der eine Art Prototyp für einen solchen religiösen Spezialisten sein könnte, lehrt den Christen: ... ihr bedürfet nicht, dass euch jemand lehre (1 Joh 2,27) Jesus sagte: In den Propheten heißt es: „Sie werden alle von Gott unterwiesen sein.“ Wer also auf den Vater hört und von ihm lernt, kommt zu mir. (Joh 6,45) Nur der Gott der Bibel lehrt und instruiert direkt den einzelnen Menschen. Nach der Bibel braucht man keinen Spezialisten für eine Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. In keinem anderen Religionskonzept ist dieses zu finden.
Der Gott der Bibel sagt einfach: Hier Bin Ich. Der Mensch ist auf diese Selbstoffenbarung hin aufgefordert Stellung zu beziehen, das heißt er glaubt oder glaubt eben nicht. So kann man im Hebräerbrief lesen: Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. (Heb 11,6) Der Gott der Bibel hat sich der Welt selbst offenbart. Er ist der Kommunizierende, der sich mitteilende, der sich in die Welt sendende. Die Missio Dei unterscheidet den Gott der Bibel von allen anderen Gotteskonzepten. Er, von Seiner Liebe motiviert, sucht die Nähe zum Menschen. Um das ganz einfach zu sagen: Gott sagt Du zu uns!
Deshalb braucht dieser Gott keinen Spezialisten, der die Gottesbegegnung ermöglicht. Reden Gottes ist allen Menschen zugänglich. Ebenso Erkenntnis Gottes. Nicht der Apostel, der Priester, der Pastor oder Pfarrer kontrolliert die Gottesbeziehung des Individuums. Der Gott der Bibel offenbart sich als Immanuel, Gott mit den Menschen. So ist die Gottesbeziehung des Einzelnen immer auch ursprünglich, persönlich und einzigartig.


1 George Verwer, Gründer und Leiter der Mission Operation Mobilisation, in einem Vortrag für Pastoren in der Bibelschule Brake, Lemgo, Deutschland, Oktober 1974
2 Edward B. Taylor, Primitve Culture (London:1881)1; deutsch Die Anfänge der Cultur : Untersuchungen über die Entwicklung der Mythologie, Philosophie, Religion, Kunst und Sitte, Reprint, (Georg Olms, Hildesheim: 2005)
3 Zitiert bei Josef Franz Thiel, Grundbegriffe der Ethnologie, 4. erweiterte und überarbeitete Auflage (Dietrich Reimer Verlag, Berlin: 1983)
4 Siehe z.B. Karl Barth, Kirchliche Dogmatik, Band 2 Die Lehre von Gott, in 2 Halbbänden (Evangelische Verlags AG, Zollikon – Zürich:1948), Karl Rahner, Schriften zur Theologie I, (Verlagsanstalt Benzinger, Einsiedeln: 1954); Bancroft, Emery H., Teologia Elementar – Doutrinária e conservador, (Imprensa Batista Regular, São Paulo: 1966)19-89; Berkhof, Louis, Systematic Theolgy, (The Banner of Truth Trust, London: 1958)19-180; Böhl, Eduard, Dogmatik, (Hänssler Verlag, Neuhausen Stuttgart: 1995)65-144; Chafer, Lewis Sperry, Teologia Sistemática, (Imprensa Batista Regular, São Paulo: 1986) 116-254; Erickson, Millard J., Introdução à Teologia Sistemática, (Edições Vida Nova, São Paulo: 1992)99-200;
5 Berkhof, Louis, Systematic Theology, (The Banner of Truth Trust, London: 1958)34
6 Kroeker, Jakob, Die erste Schöpfung ihr Fall und Wiederherstellung – Noah und das Damalige Weltgericht 4. Auflg. (Brunnenverlag, Giessen: 1972)12
7 Zitiert in Bancroft, Emery H., Teologia Elementar – Doutrinária e conservador (Imprensa Batista Regular, São Paulo: 1966)313
8 Lothar Käser, Fremde Kulturen – eine Einführung in die Ethnologie (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell: 1997)227
9 John Mibiti, African Religions and Philosophy (Heinemann, London:1969)35
10 Philip M. Steyne, Gods of Powers – a study of the belifs and practices of animists (Touch Publications, Houston: 1992)74
11 Lothar Käser, Fremde Kulturen – eine Einführung in die Ethnologie (Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell: 1997)197
12 Antonio Houaiss, Mauro de Salles Villar, Francisco Manuel de Mello Franco, Dicionário Houaiss da Língua Portuguesa (Editora Objetiva, Rio de Janeiro: 2001)1654 Islã
13 Eberhard Troeger, Kreuz und Halbmond – was Christen vom Islam wissen sollten (R. Brockhausverlg, Wuppertal: 1996)18
14 Überarbeitete und gekürzte Ausgabe des im Mai 1994 vom IZA (Bilal-Moschee Aachen) http://islam.de/72.php vom 24.7.2010
15 ebd.
16 Eberhard Troeger, Kreuz und Halbmond – was Christen vom Islam wissen sollten (R. Brockhausverlg, Wuppertal: 1996)9
17 ebd
18 Zitiert nach Der Koran deutsch von Ludwig Ullmann und L.W. Winter (Goldmannverlag, München: 1959)394
19 Eberhard Troeger, Kreuz und Halbmond – was Christen vom Islam wissen sollten (R. Brockhausverlg, Wuppertal: 1996)20
20 Zitiert nach Der Koran deutsch von Ludwig Ullmann und L.W. Winter (Goldmannverlag, München: 1959)
21 Laut den Nah ost – infos ist der Begriff Klerus eigentlich nicht auf die islamische Geistlichkeit anzuwenden.  http://www.nah-ost.info/arabische-begriffe (Zugriff 30.3.2012)
22 Rabi R. Maharaj, Der Tod eines Gurus (Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart: 1981)265
23 Rabi R. Maharaj, Der Tod eines Gurus (Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart: 1981)262ff
24 Antonio Houaiss, Mauro de Salles Villar, Francisco Manuel de Mello Franco, Dicionário Houaiss da Língua Portuguesa (Editora Objetiva, Rio de Janeiro: 2001)2422 religi e religião
25 Philip M. Steyne, Gods of Powers – a study of the belifs and practices of animists (Touch Publications, Houston: 1992)146